Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887766--35467-2887805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 405 Pauli uns entgegentreten, begreiflich zu machen, ja aus seiner wunderbaren Bekehrung und der von ihm geschauten Vision abzuleiten gesucht und damit ein Bild geschaffen, das Meyer mit Recht >das größte Meisterwerk« der modernen theologischen Forschung nennt, »eine positive Leistung ersten Ranges, an der alle Richtungen mitgearbeitet haben, entworfen in großen, scharf umrissenen Zügen und ausgeführt bis ins kleinste«. Unter der Herrschaft dieses literari sch v 0 1 lendeten Bildes ihres gr o ß e n Apostels haben die protestantischen Theologen in ihrer Mehrzahl den andern, allerdings radikalen, Lösungen der in ihm vorhandenen Gegensätze nur geringe Beachtung geschenkt. Der Kommentar Rudolf S t e c k’s zum Galaterbrief1), das einzige größere, deutsch geschriebene Buch, das nach Bruno Bauer die Authentie der paulinischen Briefe bestritt, fand unter seinen Fachgenossen nicht die verdiente Beachtung. Und die andern bedeutenden Schriften dieser Richtung, die von L o m a n und van Manen, waren holländisch geschrieben und hatten schon dadurch nur einen kleinen Kreis von Lesern. Die Kunde von der Entstehung eines neuen schwierigen Problems in der Geschichte des Urchristentums blieb vielfach selbst F01־- schern, die sich mit ihr beschäftigten, unbekannt. Und die Art, wie neuere Kommentare, wie der von Lipsius, und Einleitungsschriften, wie die von Holtzmann, Jüiicher, und Harnack, nur kurz absprechend die Vertreter der neuen Auffassung von Paulus und seinen Briefen erwähnen, war nicht geeignet, zu deren Studium anzuregen. Nun tritt uns eines der Hauptwerke dieser Richtung in deutschem Gewände entgegen und gibt damit eine leichtere Gelegenheit, wie eine weitere Anregung, auch deren Gründe und Darlegungen zu hören ') Der Galaterbrief nach s. Echtheit untersucht. Berlin, 1888.