Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 401

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 401 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829803-2829808-2887766--35463-2887801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 401 deutet, daß sie mit den ihrigen übereinstimmen, nicht selten aber auch korrigiert und, wo das nicht geht, oder bei offenbaren Widersprüchen, der Färbung, Entstellung und absichtlichen Verschweigung bestimmter Tatsachen beschuldigt. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, welche Rolle bei der Behandlung der unsicheren und häufig sich widersprechenden Berichte aus dieser Zeit Neigung und Abneigung spielen, ist folgendes: Über das Ende des Lebens des Paulus, wie des Petrus, ist keine irgendwie beglaubigte Nachricht vorhanden. Sagenhafte Meldungen des zweiten Jahrhunderts erst erzählen, daß Paulus während der Neronischen Verfolgung mit dem Schwerte hingerichtet, und daß Petrus, der erste Bischof der römischen Gemeinde, gekreuzigt worden sei. Die eine dieser Meldungen verdient soviel oder so wenig Glauben wie die andere. Die auf Petrus bezügliche und von der katholischen Kirche, die in ihm den ersten Papst verehrt, als absolut autoritativ angesehene, wird von protestantischen Theologen häufig in das Gebiet der Fabeln verwiesen. Diejenige aber von dem Märtyrertode des Paulus, die seinem Leben einen so dramatischen Abschluß gibt, wird auch von ihnen als eine zweifellose Tatsache behandelt. Noch mehr, die Apostelgeschichte gibt eine sehr anschauliche Schilderung von der Reise des Paulus nach Rom und seiner etwa zweijährigen Wirksamkeit daselbst. Von seinem Märtyrertode aber und überhaupt von einer Christenverfolgung unter Nero enthält sie nichts, Der Schluß ist naheliegend, daß ihr Verfasser eben nichts davon gewußt hat. Aber ein so einfacher Schluß wird nicht gezogen, sondern das Schweigen wird als eine absichtliche Verschweigung gedeutet.• Der Schreiber der Apostelgeschichte habe die Tendenz, beide Apostel als gleich groß erscheinen zu lassen, die Wirksamkeit des einen ebenso wunderbar und Monatsschrift. 51 Jahrgang. 26

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.