Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 8)
- Language
- German
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402 Zur Geschichte und Charakteristik der pauiinischen Briefe. glorreich darzustellen, wie die des andern. Weil er nun wahrheitsgemäß von einem Märtyrertod des Fetrus nichts habe berichten können, habe er auch von dem tatsächlich stattgefundenen des Paulus nichts berichten wollen, um diesen nicht größer erscheinen zu lassen, wie jenen. Deshalb habe er seine Schrift abgebrochen und nicht bis zum Schlüsse des Lebens beider Apostel fortgeführt!1) Sieht man aber auch von den schroffen Wide r- Sprüchen zwischen den paulinischen Briefen und anderen urchristlichen Schriften ab, und sucht man sich von Paulus aus seinen Briefen selbst ein Bild zu machen, so treten uns wiederum eine Reihe von Zügen entgegen, die sich kaum mit einander vereinigen lassen. Diese einander widerstreitenden Züge und den aus den Briefen von Paulus gewonnenen Eindruck schildert Arnold Meyer2) folgendermaßen: »Eine gewaltige, aber auch widerspruchsvolle Erscheinung: Ein Pharisäer aus pharisäischem Hause, der das Alte Testament nach dem Orundtext kaum zu kennen scheint, der griechisch schreibt und sich in den Terminis der griechisch-religiösen Sprache sicher bewegt und doch mit aller Spitzfindigkeit eines Rabbinen geriert; ein Schüler der Rabbinen, der die Schrift zeitlebens als normative Gottesoffenbarung anerkennt, der das Gesetz für heilig, recht und gut hält und dabei das Gesetz für zeitlich und relativ, für die Quelle aller Schuld und alles Fluches, darum schließlich für abgetan und überwunden erklärt; ein Beschnittener, der die Beschneidung, die Ehre an der Schande, verspottet, wie nur ein Gegner des Judentums. Dem entspricht die ganz eigenartige Weise, wie er zu seinem Glauben an Christus kommt; ein Verfolger der Gemeinde Christi wird er nun sein größter Apostel; er holt sich sein ג) Hausrath a. a. O. III2, 41L f., IV2, 1321. 149 ff.,236'־ f. 2) Die moderne Forschung über die Geschichte des Urchr. 1898, S. 8 ff.