Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 399 sehen seit Adam verübten Sünden darstellte, beseitigt und die Geschichte Jesu selbst durch seine Lehre, daß dieser der Sohn Gottes sei, vergeistigt und erhoben habe1). Vollends den übrigen J ü n g er n Jesu gegenüber, die er selbst ausgewählt und zu Verkündern seiner Lehre bestimmt hat, erscheint Paulus als der allein Bedeutende und für die weitere Ausbreitung und Entwickelung des Christentums Maßgebende. Sie gehen neben ihm insgesamt als beschränkte und untergeordnete Mensehen, die und deren Anhänger die weitausgreifende Tätigkeit des Paulus nur mit Widerstreben dulden, ja vielfach mit Mißgunst und bösen Verdächtigungen verfolgen, und die durch ihre jüdischen Neigungen und Be- Strebungen seine Wirksamkeit zu stören und zu durchkreuzen suchen. Diese moderne, Paulus über alle andern erhebende Auffassung seiner Persönlichkeit und seiner Leistungen beruht ausschließlich auf der Darstellung, die Paulus in den Briefen selbst von sich gibt. Er nennt sich »auserkoren für die Verkündigung des Evangeliums Gottes« . .. denjenigen, »der von dem Herrn Jesus Christus Gnade und Apostelamt empfangen hat, um Heiden zum Glaubensgehorsam zu bringen,« »der von Jerusalem aus und im Umkreis bis Illyrien das Evangelium von Christus ausgerichtet« und »mehr gearbeitet hat, als alle andern« (Röm 1, 1. 5, 15, 16-31. 1. Kor. 15, 10. 2. Kor. C. 11. 12.) Diese seine Selbstbewertung steht jedoch in entschiedenem Widerspruch zu den Evangelien, in denen vielmehr Simon Petrus als der berufene Führer der Apostel erscheint, als derjenige, auf dem Jesus seine Gemeinde aufbauen will (Matth. 16, 17—19. Joh. 21, 15 ff.) Von Petrus berichtet auch die Apostel geschichte, daß er zuerst Heiden ohne Beschneidung נ) Vgl. A, Jülicher in dem großen Sammelwerke »Die Kultur-der Gegenwart«. Teil I, Abt. IV. »Die christliche Religion« 1906, S. 88.