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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 397

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe
Date
1907-01-01
Page
Seite 397 (sequence 3)
Language
German
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Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe. 397 Abbröckelungsprozeß an ihnen entwickelt, der nicht nur den Glauben an die Authentizität der vorhandenen Briefe, sondern auch an eine schriftstellerische Tätigkei t des Ap o stels Paulus überhaupt mehr und mehr erschüttert hat. Am längsten und festesten hat dieser Glaube in Deutschland sich erhalten. Ja die in der Kritik des Neuen Testaments bahnbrechende T ü binger Sch ul e hat gerade in den paulinischen Briefen die Grundlage gefunden, auf der sie ein geschichtliches Bild Jesu und der ersten Zeiten des Christentums aufzurichten versuchte, nachdem die seitherigen Grundlagen, die Berichte der Evangelien, ihren Halt und ihre Zuverlässigkeit verloren hatten. Es hatte sich erwiesen, daß diese keine Berichte von Zeitgenossen Jesu sind, sondern erst um die Wende des ersten Jahrhunderts entstanden, daß sie sonach nur die Meinung späterer Generationen über ihn darstellen. Sie stehen unter einander außerdem selbst wieder in Widerspruch und berichten soviel übernatürliches und unbegreifliches, daß sie nicht als »Geschichtsbücher, sondern nur als Lehr- und Werbeschriften« anzusehen sind. Bei einem solchen Ergebnis der Evangelienkritik war der Zweifel an der geschichtlichen Existenz Jesu überhaupt nichts weniger als fernliegend, und er wurde auch nach Bruno Bauer noch mehrfach, so in jüngster Zeit von K a 11 h o f f ausgesprochen. Diesen Zweifeln gegenüber wurden von der großen Mehrzahl der deutschen Theologen die Briefe des Paulus als die besten und sichersten Zeugnisse für das Leben und die Wirksamkeit Jesu erklärt. In ihnen, sagt man, spricht ein Mann, der zwar Jesus selbst im Leben nie gesehen hat, der aber wenige Jahre nach dessen Tode infolge einer ihm gewordenen Vision zum Glauben an ihn bekehrt wurde, nachdem er vorher ein Verfolger seiner Anhänger

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