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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1907-01-01 · Heft 4 · p. Seite 393

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
51 (1907)
Issue
Heft 4
Article
Biblische und babylonische Religion
Date
1907-01-01
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Biblische und babylonische Religion. 893 allmählich die gereinigte Oottesidee durch und erfüllt ihre Bekenner mit einer sonnigen Zuversicht, läßt sie in gläubiger Hoffnung sich verankern. Nicht wie in Babel krampft die Angst vor Spuk und Dämonen das Herz zusammen; an Stelle von zitternd-besorgtem Pessimismus tritt triumphierender, gottgewisser Optimismus: »Und wandle ich auch im Ta! des Todesschattens, ich fürchte nichts Böses, bist Du ja bei mir! Dein Stab und Deine Stütze, die trösten mich.« (Ps. 23, 4.) Und noch eine zweite Eigenart ist es, welche die Bibel für immervon Babel scheidet: die Propheten und das Gesetz. Das ,offenbarte‘ Gesetz! Und wäre selbst die Zurückführung menschlicher Einrichtungen auf Gott nur ein Notbehelf, so ist sie doch jedenfalls entsprungen aus dem Verlangen nach einer allgültigen Autorität für das Volk, das nur mühsam und allmählich zu der Höhe der Erkenntnis emporschreitet, die das Gebot erfüllt um seines sittlichen Inhalts willen, für das eine letzte Instanz ins Feld geführt werden muß, der man ohne zu fragen gehorcht, die Gottheit. Und weiter muß in solchen primitiven Zeiten mit Lohn und Strafe operiert werden, damit der bei seinem Egoismus gepackte Mensch eben dadurch unvermerkt zum Altruismus geführt werde. Mit dem Dekalog wurde gleichsam das Gewissen der Welt geschaffen. Diesem Ewigkeitswort: »Du sollst!« haben wir nichts an die Seite zu setzen. Man hat gemeint, die bekannten Stellen aus einer assyrischen Beschwörungstafel: »Hat er Vater und Mutter entzweit?« usw. enthielten nicht viel anderes als die zehn Gebote. Man übersieht dabei die Form der Sätze und den Zusammenhang. Es handelt sich doch um eine Beschwörung. Der Verfasser zählt alle möglichen Fälle von Versündigung auf, durch welche der Götter Zorn geweckt sein könnte; die erste Tafel enthält die verschiedensten ethischen Verfehlungen, die zweite jedoch, — wovon meist schamhaft geschwiegen

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