Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Biblische und babylonische Religion
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Biblische und babylonische Religion. 391 diesem Götzen von Dilbat sind sie spurlos vorbeigerauscht mit eherner Zähigkeit und Beständigkeit lebt er, von einer eifersüchtigen Priesterschaft gehütet, fort und fort. Keine Evolution, keine Revolution schwemmt diesen Urasch, diese Sin, diese Istar und wie die Götter alle heißen, hinweg; zahllos wie die Sterne, unwandelbar gleich den Sternen sind Babyloniens Gottheiten. Welche Fülle von Gottheiten und Heiligtümern, welche Zersplitterung des religiösen Lebens also, führt uns der Hammurabi-Codex vor Augen! In der Einleitung werden genannt: Anu, der König der Anunnaki, Bel, Marduk, die Igigi, der Sonnengott von Sippar, der Sonnengott von Larsa (Südbabylonien), der Mondgott, Göttin Aja, Göttin Mama, Göttin Nintu, Anunit, Ea und dessen Gemahlin Damgalnunna, Dagon, Ninazu, Zamama, Ningirsu, Nabu, Nergal, Istar von Uruk, Istar von Agade, Istar von Ninive, Adad Von Challab, Ad ad von Karkar. Und hinter all diesen Göttern steht eine gefestigte, vom Staat freigebig dotierte Priesterschaft, die eifersüchtig über der Gerechtsame ihres Gottes wacht und jede einigende Bestrebung, jeden Versuch, an Stelle der Zerrissenheit der religiösen Betätigung die Einheit und Einheitlichkeit zu schaffen, unmöglich macht. Man hat wohl behauptet, die Babylonier hätten sich ihre Gottheiten als sittliche Mächte gedacht. Das heißt doch die Ausnahme zur Regel machen. Gewiß fehlt es in der religiösen Literatur des babylonischen Volkes nicht ganz an Ansätzen, die Vorstellung von der Gottheit zu vertiefen, ihr das einzuhauchen, was wir im guten Sinne Menschlichkeit nennen; auch abstrahierende Versuche begegnen, so, wenn die Gemahlin des Nabu Taschmet, d. i.‘»Erhörung« heißt. Aber nirgend hat sich die Idee zur Reinheit, zur Schlackenlosigkeit gleichsam erhoben; wie in der Ethik ist es auch hier ein unerfreuliches Durcheinander, eine Verschmelzung des Erhabenen und — Lächerlichen. Wo