Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Redaktion der Mischna
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 19)
- Language
- German
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Zur Redaktion der Mischna. 309 Der Vorfall zwischen dem jungen Hilfel und dem bethyrenischen Synhedrion gelegentlich der Peßach-Sabbathfrage1) beweist deutlich, daß bis dahin die ausschließliche Form der Traditionslehre nicht der Midrasch wie Hoffmann behauptet, sondern im Gegenteil gerade die »abstrakte Halacha« war, daß es Hillel gerade war, von dem der erste Anlaß ausgegangen2), die Traditionslehre wieder in enge Verbindung mit der Schriftauslegung zu bringen3), vermutlich, um gegenüber den Sadduzäern die *) Vgl. Babli Pesachim 66 a, Tosefta das. IV, 1—2 und nametitlieh Jeruschalmi Pesachim VI, 1 (33a). 2) Möglich, daß er die Anregung hierzu bereits von seinen Lehrern Schemaja und Abtaljon, empfangen, welche als דרשנים גדולים bezeichnet werden. 3) Hillel, der darüber Bescheid geben soll, ob das Peßachopfer auch am Sabbat darzubringen sei, sucht diese Frage zunächst durch Ableitung aus der Schrift selbst zu entscheiden; aber man will ihn nicht hören. »Haben wirs nicht gleich gesagt, von dem Babylonier sollte uns Hoffnung־ kommen?« — so ruft man ihm höhnend zu. »Und ob er auch« — so heißt es im Berichte des Jeruschalmi dann weiter — »den ganzen Tag deuten und herleiten mochte, sie akzeptierten es nicht, bis er endlich beteuerte: so habe ich es überkommen von Schemaja und Abtaljon אעפ׳יי שהי׳ יושב ודורש כל ד,יום לא קבלו ממנו עד שאמר להן יבוא עלי כך שמעתי משמעי׳ ואבטליון. Wäre, wie Hoffmann behauptet, um jene Zeit noch der Midrasch die ausschließliehe Lehrform gewesen, warum wollten die בני בתידא von Hillels Schriftdeutungen nichts wissen? Wie konnte ihnen Hillel denn anders als an der Hand des Midrasch, d. h. der Schriftdeutung, Bescheid geben? Man sage nicht, daß die Opposition nicht der Methode überhaupt, sondern der Art, wie sie Hillel angewendet, gegolten, d. h. daß man nur die von ihm gegebenen Deutungen als u n z 11treffend zurückgewiesen habe. Denn erstlich wurde zum mindesten eine dieser Deutungen in der Folgezeit nicht nur tatsächlich rezipiert, sondern auch als so durchschlagend erachtet, daß R. Elieser dem R. Akiba zurufen durfte עקיבא עקרת מה שכתוב בתודה במועדו בין בחול בין בשבת, als ob sie in der Schrift selbst mit klaren Worten ausgesprochen wäre, und R. Akiba wieder ihm antworten konnte : רבי הבא לי מועד לאלו כמועד לשחיטה (Pesachim VI, 2). Sodann aber, woher wußten denn seine Gegner, daß Hillel in den Deutungen ihnen nicht