Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Juden im Mittelalter
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 23)
- Language
- German
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Die wirtschaftliche u. soziale Bedeutung d. Juden im Mittelalter; 279 zünfte gegen die Juden. So wirken in unscheinbarer aber doch nachhaltiger Weise diese kleinen Existenzen als Organe neuer Wirtschaftsform. In weitaus glänzenderer Weise freilich trugen die südeuropäischen Juden in ihrer Heimat, die spanischen aber ganz besonders nach ihrer Übersiedlung in die großen Handelsreiche des nördlichen Europas, zur Entstehung der modernen Wirtschaft bei, und ebenso wie die Juden an der Konstituierung der mittelalterlichen Wirt- Schaftsordnung ihren Anteil haben, ist auch deren Über- Windung nicht in letzter Linie ihr Werk. II. Wenn wir nach dieser Skizzierung der Tatsachen, die für die Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter charakteristisch sind, uns nunmehr der Frage zuwenden, welcher Einfluß, dieser wirtschaftlichen Stellung der Juden auf ihre rechtliche Lage und ihre Beziehung zu der andersgläubigen Bevölkerung zukommt, so wird schon der erste Eindruck der sein, daß die Judenfrage des Mittelalters sich nicht ausschließlich als ökonomisches Phänomen begreifen läßt, daß es eine Judenfrage gibt auch da, wo die wirtschaftliche Lage der Juden nichts Problematisches an sich hat. Wollen wir jedoch über diesen allgemeinen Eindruck hinaus zu bestimmteren Vorstellungen gelangen, so ist zu erwägen, in welcher Weise eine etwaige ökonomische Erklärung der Lage der Juden im Mittelalter zu denken wäre. Auszuschalten sind hier Tatsachen derart, daß bei den verschiedenen Judenverfolgungen die Aussicht auf die zu machende Plünderung oft in starkem Maße mitgespielt hat, oder daß die Ausnutzung der Juden zu Steuerzwecken den Fürsten und Städten ihre Entrechtung sehr erwünscht erscheinen lassen mußte. Daß Wirtschaftliehe Erwägungen solcher Natur recht oft bei der Oestaltung der Lage der Juden mitgesprochen haben mögen, dürfte außer Zweifel sein. Das führt aber nicht weiter, als bis zu der Selbstverständlichkeit, daß eine wehrlose Minorität