Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 51 (1907)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Juden im Mittelalter
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829803-2829807-2887617--35327-2887654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
276 Die wirtschaftliche u. soziale Bedeutung d. Juden im Mittelalter. :neben andern Berufsarten auch früher schon betrieben hätten, so fehlt es uns an jeder Veranlassung, die wirfe• schaftlichen Wirkungen dieses ihnen aufgezwungehen Berufs zu beschönigen und zu Gunsten der mittelalterlichen Judenfeinde, die sie in diesen Beruf hineinzwangen, Apologetik zu treiben. Gleichwohl aber ist zu konstatieren, daß auch hier große Übertreibungen mit unterlaufen. Wenn man die teilweise in der Tat erstaunliche Höhe des Zinsfußes hervorhebt, so ist demgegenüber zu bedenken, daß er sich nicht gar so Weit über den im Mittelalter üblichen und in der Natur des damaligen Kredits begründeten Zinssätz erhebt. Das Plus ist auf Rechnung des besonderen Risikos zu setzen, das speziell die Juden zu tragen hatten, ganz abgesehen von der bekannten Tatsache, daß sie regelmäßig einen guten Teil ihres Erwerbs an Fürsten und Städte abzuführen hatten. Damit wäre freilich eine verderbliche Wirkung des jüdischen Zinsgeschäfts nicht ausgeschlossen, aber auch den Behauptungen gegenüber, daß die übermäßige Verschuldung Deutschlands an die Juden seinen wirtschaftlichen Ruin herbeigeführt habe und daß die großen Judenverfolgungen des 14. Jahrhunderts hierinihre Erklärung fänden, ist die größte Skepsis am Platze Daß es nicht gerade von großer wissenschaftlicher Besohnenheit zeugt, wenn man die Klagen einzelner Chronisten, welche manche Judenverfolgungen rechtfertigen wollen, für bare Münze nimmt, liegt auf der Hand, und mit Recht weist Caro נ) darauf hin, daß derartige Behauptungen ganz besonders verdächtig sind, wenn sie uns in einem Erlaß König Wenzels entgegentreten, der die Schulden der Juden nicht aufhebt, sondern sie mit nicht allzu großer Reduktion auf andere Gläubiger überträgt. Daß aber diese Vorstei- Jungen zum Mindesten stark übertrieben sind, geht mit voller Deutlichkeit daraus hervor, daß sich im 14. Jahrhundert Deutschland in einem nur durch die Folgen der x) Caro a. a. Q., S. 597«