Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 756 (sequence 3)
- Language
- German
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756 Besprechungen. D. »schließt sich denen an, die mit einem ,Theodotion vor Theodotion‘ rechnen,® das heißt mit einer jüdischen Revision oder mit jüdischen Revisionen des LXX-Textes vor Theodotion« (69, n. 4). »Paulus und Johannes zitieren die Septuaginta in einer auch von Theodotion später benutzten Textform, die an manchen Stellen nach dem berichtigten Urtext revidiert war; Spuren , dieser LXX-Form finden sich bei den jüdischen Übersetzern und noch in vereinzelten LXX-Handschriften« (70, Anm. Spalte 1). Äußere Zeugnisse für jüdische Revisionen des LXX-Textes gibt es meines Wissens nicht und die Annahme solcher ruht lediglich auf Schlußfolgerungen aus der inneren Textgeschichte. Ich möchte nun, ohne auf den von D. behandelten konkreten Fall einzugehen, auf das Kapitel über die »untergegangenen Übersetzungen der Bibel« in m. Zur Einleitung in die Heilige Schrift 84—99 verweisen, von wo, wie ich glaube, auch für die Geschichte der griechischen Bibeln manches Datum zu holen sein dürfte. Das griechisch-koptische Pergamentblatt (Nr. 2, Tafel 57 a und b) hält Her. nicht für den Rest einer Bibelhandschrift, sondern für ein ad hoc geschriebenes Amulett. Für diese Annahme sprechen »die für eine Bibelhandschrift ungewöhnlich langen Zeilen«, ferner auch die Tatsache, daß Ex. 15,26 in der Mischna SanhedrinlO, 1 als Text zu Heilungszwecken erwähnt. wird. (D. verweist auf Blau, Alfj. Zauberwesen 93 ff. ,* Heinrici, Leipziger Papyrusfragmente 31 f. und Reizenstein, Poimandres 291 ff.) Ich schließe mich dieser Ansicht an und möchte zu den Beweisen auch noch den Schreibstoff hinzunehmen. Zu Amuletten wurde nämlich mit Vorliebe Pergament, der bevorzugte heilige Schreibstoff, verwendet. Die Anweisungen,, das Amulett aus Pergament anzufertigen, kann man vom Altertum an das ganze Mittelalter hindurch bis auf die Gegenwart verfolgen. Nicht sicher ist, ob als Fortsetzung nach dem Mosesliede der Hannapsalm (1. Sam. 2) folgt. Wenn dies der Fall ist, wäre das Blatt mir nicht als Phylakterion gegen U nf ru ch tb arke it (D. 76, n. 8), sondern eher gegen »schwere Geburt« anzusehen. Diese Art magischer Mittel war nämlich schon im Altertum bekannt. Mit Recht nennt D. den Papyrus Onomasticon sacrum (Nr. 5, Tafel. 57 c in natürlicher Größe) ein kostbares Blatt. Es besteht im Ganzen aus 26 Zeilen, von denen drei unleserlich und zwei defekt sind. Zeile 7 und 8 ist ein Zitat׳ aus Matth. 27, 46 und Marc. 15, 34, das bekannte, Psalmwort 7fXt [Xs[/.oc] <7aßa£00־cvt (Ps. 22, 2) in aramäischer Form. Es werden somit 20 hebräische Namen ins Griechische übersetzt. D. vermutet auch in diesem Blatt ein Amulett, da