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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 755

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 755 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 755 zahlreich war bekanntlich die jüdische Diaspora in Ägypten, und das jüdische Element war in dessen christlichen Gemeinden stark vertreten. Auf Grund dieser, kurz skizzierten Tatsachen möchte ich in der Verwendung des Pergaments zu neutestamentlichen Schriften — die zwei Pergamentblätter sind nach der Vermutung des Herausgebers Reste ganzer Bücher — eine Nachwirkung jüdischen Einflusses erblicken1). Es wären noch manche einschlägige historische Daten anzuführen, doch soll hier nur auf diesen Gesichtspunkt aufmerksam gemacht werden, den der umsichtige Herausgeber ganz übergangen hat. Das Hauptstück bildet das Septuaginta-Fragment (Nr. 1). Es sind 27 opistographe Blätter vorhanden, die Gerhard buchtechnisch beschreibt (3—7). An dem Kodex haben 2 Hände gearbeitetet, die des Schreibers und die eines Korrektors. Deißmann stellt fest, daß keiner von beiden sorgfältig gearbeitet hat (6). Dies verrät, wie ich glaube, schon die äußere Form der Kolumnen, denn weder die Buchstabenzahl der Zeilen, noch die Zeilenzahl der Seiten ist konstant, wie der Her. konstatiert. Nach der Schrift stammt der Papyrus aus dem 7. Jahrhundert. Der Kodex wird ursprünglich wahrscheinlich mindestens die zwölf Kleinen Propheten enthalten haben. D. bezeichnet die vorhandenen Blätter treffend als die Reste einer ägyptischen Dorfbibel (7). Nach einer Transskription des Textes, dem ein kritischer Apparat beigegeben ist, folgt ein lehrreicher Kommentar zu einzelnen Stellen. Besonders wichtig ist die Besprechung von Zach. 12, 10b, wo die LXX Handschriften zahlreiche Variationen bieten. Es handelt sich um eine »messianische Stelle« und die Septuaginta soll schon in vorchristlicher Zeit eine jüdische Änderung erfahren haben. D. stellt eine scharfsinnige Untersuchung an, indem er die Textvarianten vorerst klassifiziert und in vier Gruppen teilt. Es gibt Lesarten, welche im hebräischen Text das Verbum רקדו sie haben getanzt, andere, welche דקרו sie haben gestochen voraussetzen. Dann gibt, es Mischlesarten aus 2 und. 1 und zuletzt singuläre. Verf. bemerkt richtig, daß die textkritischen Fragen der Septuaginta sehr verwickelt sind. Zu bewundern ist allenfalls die Geduld und die Gelehrsamkeit, die bei ihrer Behandlung an den Tag treten. Im letzten (5.) Kapitel wird der Textcharakter und der־ Wert des Kodex festgestellt. Er gehört zur Hesychios-Rezension. Aus den Einzelheiten möchte ich nur einen Punkt hervorheben. x) In einer Zeit besaßen die Juden in Alexandrien das Monopol des Papyrushandels (Stöhelin, Der Antisemitismus des Altertums in seiner ,Entstehung und. Entwickelung, Basel 1905, 36), Sie hatten somit Gelegenheit, auch für ihr Pergament Propaganda zu machen, zumal in Ägypten. 48*

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