Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 692 (sequence 29)
- Language
- German
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692 Die Todesstrafen der Bibel und der jüd.-nachbiblischen Zeit. (II, 314. 317) und das Buch der Jubiläen (5, 31 ff.), ebenso Josephus (Antiquit. IV, 8, 35) die Talio in Übung voraussetzen und sagen, daß der Mörder auf dieselbe Weise getötet wurde, wie er getötet hat. Die Pharisäer, die das Prinzip bekämpften und vielleicht auch beseitigten, suchten nun eine für alle Formen des Mordes feststehende Todesstrafe. Sie mußten, durch den Wortlaut des Gesetzes in Genes. 9, 6 שופך דם האדם באדם דמו ישפך gezwungen, auf das Schwert kommen, das sich übrigens, wenn auch nur in Ausnahmefällen, als auch im Gesetze vorgeschrieben erweisen ließ. Es ist jedoch sehr eigentümlich, was die Mischna über den Vorgang bei der Enthauptung ausführt (Sanh. VII, 3): מצות הנהרגים, היו מתיזים את ראשו בסייף כדרך שהמלכות עושה. - רבי יהודה אומר נוול הוא זה, אלא מניחין את ראשו על הסדן וקוצץ בקופיץ. אמרו'לו אין מיתה מנוולת מזו, »Man schneidet dem Verbrecher den Kopf mit dem Schwerte ab, wie es die Römer tun. R. Jehuda sagt: Dieses ist ein häßlicher Tod; vielmehr legt man den Kopf des Verurteilten auf einen Block und hackt ihn mit dem Beile ab. Hierauf bemerken die ,Weisen: Es gibt keinen häßlicheren Tod als diesen.« Diesem Einwand begegnete R. Jehuda, wie die Baraitha jn b. Sanh. 52 b (Toß. IX, 11) anführt, in folgender Weise: .אף אני יודע שמיתה מנוולת היא אבל מה אעשה .שהרי אמו־ה תורה ובחוקותיהם לא תלכו, »Auch ich weiß, daß es ein häßlicher Tod ist, aber was soll ich tun, da die Thora gesagt hat, daß wir heidnische Art nicht nachahmen dürfen?« Diese Bemerkung macht den Eindruck, daß auch R. jehuda das Schwert als das richtige Mittel der Enthauptung anerkannte und nur aus Rücksicht auf die Verwendung desselben zu gleichen Zwecken bei den Römern das Beil anstatt des Schwertes vorschrieb. Ferner hat es den Anschein, als sei die ganze Frage erst um diese Zeit aufgeworfen und nur akademisch erörtert worden ohne jede Stütze in der ältern Überlieferung. In Wahrheit bezieht sich die ganze Erörterung nur auf die Waffe oder das Werkzeug zur Tötung,