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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 689

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit
Date
1906-01-01
Page
Seite 689 (sequence 26)
Language
German
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Die Todesstrafen der Bibel und der jiid -nachbiblischen Zeit. 689 wollen, das noch irgendwie an Steine gemahnt und den Körper des Hinzurichtenden nicht verstümmelt. Es ist nun sehr merkwürdig, daß wir das Hinabstoßen vom Felsen in die Tiefe auch beim Sündenbock im Opferdienste des ,Versöhnungstages finden und für dasselbe nicht nur jede biblische Grundlage fehlt, sondern das Hinabstoßen des Tieres auch dem Wortlaute des Gesetzes (Lev. 16, 22 וש6ז את השעיר במדביי) widerspricht Wenn auch die Forscher auf die Gleichheit des Vorganges bei Opfern und Hinrichtun־ gen (Smith, Religion der Semiten, 321. 322) nicht hingewiesen hätten und darauf, daß z. B. in Hierapolis in Syrien gewisse Tier- und Menschenopfer von einer Höhe hinabgestürzt wurden, so müßte schon die Tatsache, daß sowohl die Hinrichtung durch Hinabstürzen, als auch das Hinabstoßen des Sündenbockes dem Wortlaute des Gesetzes widersprechen, darauf führen, daß beide gleichen Ursprunges sind und einer späteren Entwickelung angehören1). Das Hinabstürzen in die Tiefe als Steinigung finden wir nicht bloß bei den Tannaiten, sondern auch im Buche Susanna, wo LXX in Vers 62 haben: »Und man verfuhr mit den falschen Zeugen, wie es das Gesetz befiehlt, entsprechend dem Bösen, das sie wider die Schwester herbeigeführt hatten; man band sie, führte sie hinaus und stürzte sie in eine Schlucht (oben S. 669). Ebenso erzählt zu Vers 41 eine der syrischen Versionen, daß über Susanna als Ehebrecherin der Tod der Steinigung verhängt und Susanna um die neunte Stunde dem Vollstrecker des Urteils ausgeliefert wurde, um vom Platze hinabgestürzt zu werden, woher Ehebrecherinnen kopfüber hinabgestürzt werden2). Wir kennen freilich das Alter des letzten Zusatzes nicht A) Zu bemerken ist noch, daß die im Talmud berichteten Selbst: morde zumeist durch einen Sprung vom Dache des Hauses ausgeführt wurden. 2) Vgl. Brüll in -seinen Jahrbüchern III, 39, 4 und Wace, Apocrypha II, 338. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 44

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