Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 667 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Todesstrafen der Bibel und der jüd.-nachbiblischen Zeit. 687 tatsächliche Vollstreckung von Todesurteilen in den letzten Jahrzehnten vor dem Untergange des jüdischen Staates überliefert ist, handelt es sich durchgehends um Steinigung. So ist außer dem Gerichte über Naboth in I. Reg. 21, 10. 13 und der im Aufträge des Königs vollzogenen Hinrichtung in II. Chron 24, 21 in der Bibel und außer der über Susanna verhängten Strafe der Steinigung •in den Apokryphen die Meldung des R. Elieser b. Jakob in der Baraitha (jer. Chagiga II, 78 a, 14, b. Synhedr. 46 a) anzuführen: שמעתי שעונשין שלא כהלכה ועונשין שלא כתורה.. מעשה באחד שיצא לדרך רכוב על סוסו בשבת והביאוהו לבית דין וסקלוהו (b. כימי יונים); bewirft und tötet. Dasselbe erzählen Antiquit. XVI, 11, 7, wo ־ro 7r7v?j0’8׳; sie mit allem, was ihm in die Hände kömmt, bewirft. Da Herodes sie hiezu aneifert, ist darin das Wiederbeleben der alten Gerichtsbarkeit des Volkes zu erblicken, deren sich der verhaßte König bedient, um die Verantwortung für diese zahlreichen Morde von sich abzuwälzen, dem Volke zu schmeicheln und dessen Stimmung kennen zu lernen. Auch die Mischna Synhedr. IX, 6 berichtet ähnliche Hinrichtungen aus dem Kreise des Tempels, wo Holzscheite an Stelle der Steine treten : כהן ששימש בטומאה אין אחיו הכד,ניט מביאי־ן אותו לבית דין אלא פרחי כהונה מוציאין אותו חוץ לעורה ומפציעין את מוחו בגזירין, einen Priester, der in levitisch-unreinem Zustande Opferdienst verrichtet hat, führen die Kollegen nicht der Behörde zur Verantwortung vor, sondern die jüngeren Priester führen ihn aus dem Vorhofe des Tempels hinaus und schlagen ihm mit Holzscheiten den Schädel ein. Derselben Zeit und demselben Kreise ist folgendes entlehnt (Toß. Kelim 1, I, 6): Simon הצנוע erzählte dem R. Elieser: Ich bin in den Raum zwischen der inneren Tempelhalle und dem Altäre ohne vorhergehendes Waschen der Hände und Füße eingetreten. Da sprach R. Elieser: Ich schwöre, daß man in solchem Falle selbst einem Hohenpriester den Schädel mit Holzscheiten einschlägt. Vgl. Sifre Num. 131, 48 a, jer. Synh. X, 28 d 47. Auch das Petrusevangelium (bei Hennecke, Neutestam. Apokryph. 32) bietet hierfür ein Beispiel: (Nach der Auferstehung Jesu sprachen die Ältesten zu Pilatus): Es ist uns besser, der größten Sünde vor Gott schuldig geworden zu sein, als in die Hände des Judenvolkes zu fallen und gesteinigt zu werden. Jeremias wurde vom Volke in Ägypten gesteinigt, Tertullian, Scorp. 8, Hieronymus, Adv. Jovin. 2, 37, Pseudepiph., De Proph. 8, vgl. Nestle, Marginalien II, S. 15.