Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 662 (sequence 22)
- Language
- German
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662 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. Wein, den der König berühren würde, wegschütten, während sie, wenn eine Fliege in ihn fiele, ihn wohl trinken würden.1) Andererseits berichtet der Talmud selbst, daß die Juden zur Zeit des Ahasveros יין נסך getrunken haben2). Ferner, daß das Verbot von יין נסך erst in der nachmakkabäischen Zeit entstanden sei3). Haman soll ferner noch darüber geklagt haben, daß die Juden im Achtzehngebet jeden Tag den Fluch שובר אויבים ומכניע זדים״" rezitieren4), während doch dieser Passus des Achtzehngebetes erst von Samuel dem Jüngeren verfaßt wurde u. dgl. m. So verrät auch unsere talmudische Notiz von dem Kanonisierungsverjangen Esthers einen historischen Kern; nur ist darin eine. Kontroverse aus nachmakkabäischer Zeit, auf Esther und ihre Zeitgenossen übertragen. _ Fassen wir das bisher gesagte zusammen, so ergibt sich für die Entstehungsgeschichte des Esterbuches folgendes: Das durch Haman bewirkte Vertilgungsedikt wurde durch den zweiten von Ester bewirkte Erlaß, wenn auch nur auf dem Wege einer Umschreibung, rückgängig gemacht. Schon dadurch allein mußte jeder solide Bürger, selbst wenn ihm der Inhalt des Mordbefehles bekannt war, von seiner Ausführung Abstand nehmen, und nur noch raublustiges Gesindel, wie es dergleichen in Groß- Städten wie in Susa in nicht geringem Maße gegeben haben wird, ließ eine solche Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen. Die . Hauptrebellionefi werden zwischen den in medischen Provinzen angesiedelten Juden und ihren rivalisierenden Nachbarstämmen stattgefunden haben, ln den außerpersischen Ländern blieb daher der ganze tolle Einfall ohne ernstliche Folgen. Dieser Vorgang in Persien 1) Jalkuf, zu Esther 3, 8. 2) B. Megilla 12 a. s) B. Chullin 6[a. 4) Jalkut ibid.