Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 661

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 661 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829802-2887322--34911-2887358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 661 noch von der Erlösung aus derselben irgendwie erregt worden. Wenn daher eine talmudische Überlieferung uns mitteilt, daß die Großen in Palästina sich weigerten die Estherfei er einzüsetzen und daß sie sich endlich nur durch vieles Drängen dazu entschlossen, so hieße es die Logik auf den Kopf stellen, wollte man eine solche Überlieferung bezweifeln, zumal sie in beiden Talmuden und im Midrasch (vgl. Jahrg. 1905, 420) sich erhalten hat und überall erhebliche Variationen aufweist, was für die Originalität jeder Quelle zu zeugen scheint. Und schließlich ist ja diese sehr tendenziöse, weil fürs Estherbuch wenig schmeichelhafte berlieferung eigentlich schon im Estherbuche selber (9, 20, 29 f.) mitgeteilt. Wie verhält es sich nun aber mit der zweiten talmudischen Notiz von Esthers Verlangen, ihre Schrift in den Kanon aufzunehmen? Kann auch diese eine Überlieferung aus alter Zeit darstellen? Wir wissen, daß in Esthers Zeiten ein abgeschlossener Kanon noch garnicht existierte, daß einige spätbiblische Bücher damals noch garnicht verfaßt waren. Ja der ganze Begriff von »kanonisch« und »nichtkanonisch« fehlte damals noch. Am allerwenigsten aber werden sich die Zeitgenossen Esthers der dort erwähnten homiletischen Wortspielerei bedient haben, denn diese Hermeneutik ist sehr jungen Datums. Man lasse auch nicht unberücksichtigt, daß diese Kanonisierungsnotiz weder der Jeruschalmi noch der Midras kennt, und daß sie lediglich im Babli zu finden ist. Es wird sich mit diesem haggadischen Berichte so verhalten wie mit deren meisten, die in der Regel Anschauungen späterer Zeiten biblischen Personen in den Mund legen. Beispiele hiefür bietet uns der. Midras zu Ester in Hülle und Fülle. So soll Haman unter anderem die Juden bei Ahasvero§ angeklagt haben, daß sie den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.