Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 660 (sequence 20)
- Language
- German
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(560 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. auch unser Buch für ein der persischen Sprache kundiges Publikum geschrieben sein soll. Nimmt man noch dazu die bewundernswerte Treue in der Wiedergabe dieser Worte, was ein etymologisches Verständnis derselben voraussetzt, so gelangt man dadurch zu der Überzeugung, daß die Heimat unseres Buches nicht Palästina, sondern Persiengewesenist. Wir hatten schon oben S. 651 Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß die landläufige Vorstellung, als wäre das altpersische Weltreich wirklich so zentralisiert gewesen, daß alle tributären Nationen für all ihr Schaffen und Tun stets die Weisungen von der Residenz abgewartet hätten, eine große Unvertrautheit mit den ■zeitgenössischen Verhältnissen verrät. Daß gerade die Befehle der Despoten hinter deren Rücken am allerwenigsten befolgt wurden, ist in historisch-wissenschaftlichen Kreisen jedermann geläufig. Wie muß dies erst der Fall gewesen sein bei den vorderasiatischen und syrischen Völkern, zu denen eine königliche Botschaft erst nach einigen Monaten gelangen konnte. Die Satrapen, die in der Behistuninschrift mit Recht »Könige« genannt werden, waren, wenn auch offiziell dem Großkönig unterstellt, doch in ihren Ländern wirkliche Alleinherrscher1). Bedenkt man noch, daß die Völker des persischen Weltreiches noch 12 Jahre lang verzweifelt mit den Griechen föchten und eine Niederlage nach der anderen erlitten, während ihr Despot sich in seinen Harem einschloß, so kann man sich denken, welche Beachtung die Satrapen seinen blöden Mordbefehlen geschenkt haben werden, zumal ein Widerruf des ersten durch das zweite Edikt eintraf, bevor die Öffentlichkeit vom Inhalt des ersten Erlasses etwas erfahren hatte.. Die Juden außerhalb der eigentlichen Persis sind daher weder von dieser Gefahr, ג) Vrgl. z. B. Herod. I, 192. 4, 166—167, 200—204 u. s. w.