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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 659

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 659 (sequence 19)
Language
German
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659 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. Zeitgenosse des Ahasveros ihn nicht so archaistisch schildern, wie dies 1, 1 der Fall ist. Zweitens würde er gewiß auch etwas über den Zweck der 1, 2—10 beschriebenen Reichskonferenz berichten. Drittens wüßte er wohl auch etwas näheres über das Verhältnis von Va§ti und Esther zu der Amestris, die sowohl Herodot als auch Ktesias kennt. Viertens hätte er uns auch über die klaffende Lücke von vier Jahren (1, l. 2, 1, 16) nicht im Unklaren gelassen. Fünftens schildert doch 9, 19 jedenfalls einen alten Brauch. Sechstens kann 9, 10—23 ebensowenig von Mordechai allein herstammen, wie 9, 29 —32 von ihm und der Esther zusammen. Siebentens muß auch 9, 24, 26 aus einer Zeit stammen, in der die Bedeutung von »Pur« nicht mehr bekannt war. Achtens schaut 9, 28, 31, 32. 10, 2—3 auf eine generationenlange Erfahrung zurück. Es kommen dazu auch noch die sehr späten Hebraismen, auf die schon Zunz hingewiesen hat z. B. אונם, ראיות, נזק, מאמר, תיריך, הצלה und die Mischnahdialekte wie z. B. עובר את מצות המלך ירט, יעברו, יעבור, u. s. w. Hieraus muß mit Bestimmtheit gefolgert werden, daß das Buch, wenn auch auf Grund zeitgenössischer Aufzeichnungen (9, 20, 23, 29, 30 f.), erst in sehr später Zeit, wahrscheinlich in der nachmakkabäischen, seine heutige Fassung erhalten hat. Man beachte ferner, daß dieses winzige Büchlein mehr persische Worte enthält, als alle anderen aus der ■ persischen Zeit stammenden biblischen Schriften insgesamt, daß z. B. die Schriften von Chaggai, Secharia, Maleachi und die Chronik nur ganz vereinzelt persische Worte enthalten, und daß selbst die von den persischen Höflingen Esra und Neh. stammenden Partien verhältnismäßig noch nicht den vierten Teil so reichhaltig an persischen Worten sind (in Esther zirka 60 persische Worte in 167 Versen, in Esra- Neh. dagegen zirka 55 Worte in zirka 700 Versen). Diese Tatsache erklärt sich nicht durch eine in persischer Sprache abgefaßten Unterlage, sondern fordert notwendig, daß 42*

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