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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 657

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 657 (sequence 17)
Language
German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 657 Hauptzüge der Estererzählung im Lichte zeitgenössischer Verhältnisse zu betrachten. Die Erörterung des ersten Punktes, auf den wir das Hauptgewicht legten, zeigte, daß eine große Anzahl der Undenkbarkeiten und Ungeheuerlichkeiten, die aus dem Estherbuche herausgelesen werden, bei aufmerksamer Lektüre in Wahrheit darin gairnicht enthalten sind. Die Vergleichung der erzählten Ereignisse mit der orientalischen Geschichte hat gezeigt, daß die meisten Dinge, die nach unserem europäischen Empfinden als absolute Unmöglichkeit erscheinen, im Rahmen der zeitgenössischen Verhältnisse betrachtet, nicht nur als eine Möglichkeit, sondern sogar als eine Notwendigkeit erscheinen, und zwar dermaßen, daß eine fachmännische Betrachtung diese Momente, wenn sie fehlten, sehr vermissen würde. Interessant ist dabei die Tatsache, daß während von Seiten der Nichtorientalisten unserem Verfasser völlige Unkenntnis der persischen Sitten zum Vorwurf gemacht wird, es gerade die berufensten Persologen, wie Niebuhr, Heeren, Justi, Rawlinsohn, Spiegel, Oppert, Dieulafoy1) u. v. a. sind, welche die treue Wiedergabe der altpersischen Sitten und Gebräuche in unserem Buche garnicht genug bewundern können. *) Dieulafoy, ein Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris, hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts im Aufträge der französischen Regierung in Persepolis und Susa, den beiden Residenzstädten des altpersischen Reiches, große Ausgrabungen veranstaltet und hat das besondere Verdienst, in der Akropolis von Susa den Palast unseres Ahasveros blosgelegt und untersucht zu haben. Die topographische Übereinstimmung zwischen den Schilderungen unseres Buches und der Wirklichkeit, ist außerordentlich überraschend. Da dieses sehr groß angelegte Buch von :1 1־ ־>/ auch schon seines unerschwinglichen Preises wegen (zirka 100 Fr.) nur sehr wenigen zugänglich ist, so lassen wir die ganze Partie des Buches, welche die Topographie des Esterbuches behandelt, in einer vom Verfasser autorisierten deutschen Übersetzung im Sonderabdrucke vorliegender Estheruntersuchungen als Anhang folgen. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 42

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