Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 656 (sequence 16)
- Language
- German
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656 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. bäischen Zeit (140—150 Vorch.) entstanden wäre! Ist es denkbar, daß ein neu aufgetauchter Roman schon nach wenigen Jahrzehnten von allen Gesetzeslehrern des Judentums als ein historisches Dokument angesehen worden wäre? War doch die Entstehungszeit des Esterbuches allgemein zugestandenermaßen eine Zeit, in der das ganze Religionswesen unter der Diktatur von Synhedrialkonsistorien gestanden hat. Haben doch in diesen Zeiten Männer wie Jose ben Joeser aus Zerea, Jose ben Jochanan aus Jerusalem, Josua ben Perachja, Nittai aus Arbela, Jehuda ben Tabbai, Simon ben Schetach an der Spitze von Lehr- Häusern gestanden, in denen die minimalsten Religionsfragen aufs Peinlichste geprüft wurden?1) Und dabei sollte eine zweitägige religiöse Feier auf Grund einer bis dahin unbekannten Sage ohne weiteres allgemein üblich gewesen sein? Diesen so naheliegenden Schluß sind wir jetzt zu ziehen berechtigt, nachdem wir sämtliche Purimhypothesen dem Leser vorgeführt, sie im einzelnen geprüft und gefunden haben, daß sie alles eher als geeignet wären, das Purimproblem auch nur um einen Schritt seiner Lösung näher zu bringen2). Es blieb nun nur noch übrig, einerseits die volkstümliche Auffassung der Purimereignisse nach dem klaren Wdrtsinn des Textes zu korrigieren und andererseits die 0 Misna, Chagiga II, 2. Edijoth 8. Sota 6, 10. Jerus. Sekalim 2. B. Sota 47. Temura 16. Aboth I, 1—10 u. s. w. 2) Die von dem amerikanischen Assyriologen Paal Haupt, in seiner soeben erschienenen Untersuchung »Purim« neu aufgestellte Estherhypothese ist in Wirklichkeit nur ein Sammelsurium aus den oben behandelten Hypothesen Jensens, Erbts, Schwallys, Wincklers usw. Da wir diese Hypothesen oben schon auf ihren Wert, bezw. Unwert kennen gelernt haben, so können wir hier darauf verzichten, auf dieses Hauptsche Konglomerat des Näheren einzugehen.