Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 655

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 655 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829802-2887322--34905-2887352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 655 jüdischer Seite nachzugeben und die Geschichte zum Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott zur alljährlichen Verlesung zu bringen, wodurch dieses Buch neben dem Pentateuch das meistbekannte geworden ist. Dieser Popularität ganz allein und nicht der Freude an der Heidenabschlachtung, wie die modernen Exegeten meinen, ist es zu verdanken, daß die Interpreten, Kanzelredner und Midraschisten ihm eine große und weitgehende Beachtung schenkten1). Nimmt man zu diesem klaren Ergebnis, daß das Estherbuch bei seiner Entstehung als eine durchaus authentische Urkunde galt, noch hinzu, daß es, wenigstens in seiner heutigen Form, nicht vor der alexandrinischen Zeit entstanden sein kann, womit auch die konservativsten Exegeten übereinstimmen (vrgl. unten Anhang), so dürfte auch dieser Umstand als ein gewichtiger Beweis für die Geschichtlichkeit des Buches anzusehen sein. Denn wie konnte sonst dieses Buch im ersten vorchristlichen Jahrhundert schon von allgemeiner Geltung sein, wenn es erst eine oder zwei Generationen vorher als bloßer Roman in die Öffentlichkeit getreten wäre? Und nun gar, wenn nach der modernen Exegese es erst in der nachmakka- *) Daß die Bestreitung, der Kanonizität Esthers lediglich aus ethischen Motiven sich herleitet, beweist aufs eklatanteste die Tatsache, daß gerade am Hofe verkehrende und oft mit Heiden disputierende Gelehrte es waren, welche unserem Buche die kanonische Sanktion nehmen wollten. Unter den Tannaim war es R. Josua, der einzige Tanna, der dem kaiserlichen Hofe nahe stand (B. Megilla 7a, Hagiga 5b), und unter den Amoraim war es Samuel, der Liebling des persischen Königs Schapur I. (B. Taanith 7, Pesach 54, Sabbath 53, Sukkah 53, Baba-bathra 3, Moed-katan 26, Schebuoth 35, Gittin 10 u. a.) der die Disputation mit persischen Gelehrten sich zur Lebensaufgabe machte (B. Sanhedrin 48. Aboda-sara 18, 43. Rosch-haschanah 24. Sabbath 75 u. Ö.). Vrgl. dagegen seinen Freund Rab (Aboda-sara 10 b). Zum richtigen historischen Verständnis des talmudischen Spruches: "כל הספרים■ עתידים לבטל חוץ מתורה ומנלת אסתר., vrgl. die Note des Abr. b. David zu Maimon. Hilchoth Megilla.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.