Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 653 (sequence 13)
- Language
- German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 653 Luthers abfälliges Urteil vorgefaßte Meinung ist. Besonders seit Lagarde glaubt jeder protestantische Theologe seinem christlichen Gefühle nicht Genüge leisten zu können, wenn er nicht in diesem Chorus die anderen zu überbieten sucht. Eine unbefangene Prüfung kann in der Esther־ erzählung keine inhumane Tendenz finden. Die ganze Schilderung in Kap. 8—9 bekundet laut in jedem Worte, daß es sich hierbei jüdischerseits nur um eine Verteidigung handelt. Viermal betont der Verfasser nach־ drücklich, daß die Judäer nichts anderes suchten, als für ihr Leben einzustehen und sich vor dem Feinde zu schützen (8, 11. 9, 2, 16, 22). Und wenn nun wie der königliche Erlaß (8, 12) besagt, den Juden nicht mehr gewährt wurde, als ihre Verfolger am 13. Adar unschädlich zu machen, so begreift man nicht, wie man in Esthers Bitte, daß den Juden gestattet werden möge, auch am folgenden Tag sich eventuell schützen zu dürfen, blutrünstige Absichten finden kann. Wenn auch aus Mordechais Edikt (8, 11), falls die Worte ״טף ונשים ושללם לבוז״ (vrgh auch 3, 13) nicht eine einfache Redewendung der offiziellen persischen Mordbefehle sind, was höchstwahrscheinlich der Fall ist, gefolgert werden kann, daß er gleiches mit gleichem bezahlen wollte, so zeigt doch aber die dreifache nachdrückliehe Betonung 16 ,15 ,11 ,9) ובבזה לא שלחו את ידם), daß der Verfasser eben mit Mordechais Handlungsweise nicht zufrieden war1). Man beachte ferner, daß sowohl in Susa als auch in der Provinz nicht der Tag des Sieges, sondern »der Tag, 9 Wenn Siegfried (bei Nowak B. C.) dieses als Geldprotzentum bezeichnet, so fragt es sich, ob er einen ähnlichen Bericht von einer altgermanischen Horde auch so gedeutet haben würde. Viel logischer wäre es von Siegfried, die Treue des Berichtes zu bewundern, der von seinem Helden Mordechai keine Handlung verschweigt, obgleich er selbst sie mißbilligt.