Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 652 (sequence 12)
- Language
- German
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652 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. Wir dürfen daher mit gutem Rechte behaupten, daß die im Estherbuche geschilderten Kämpfe sich hauptsächlieh in den medisch-jüdischen Kolonien abgespielt haben werden, ln den westlichen Teilen des Reiches dagegen wird man von dem ganzen Vorgang kaum etwas erfahren haben, geschweige denn, daß dort große Kämpfe stattgefunden hätten, die irgend einer auswärtigen Hülfeleistung bedurft hätten. 25. Der Frage, wieso die Juden nach solchen Kämpfen in Persien bis auf Alexander unbehelligt wohnen konnten, ist durch die vorhergehende Darlegung eigentlich schon der Boden entzogen. Wir wissen, daß unter Artabanus mehrere mesopotamische Provinzen von jüdischen Streifzüglern längere Zeit schwer zu leiden hatten. (Joseph, Antiqu. 18, 9.) Haben die babyl. Juden später noch unter diesen Unruhen leiden müssen?1) Auch das ethi s ch-religiöse Moment des Estherbuches ist ein Gegenstand immerwährenden Tadels. Nur sehr selten hat es noch ein protestantischer Theologe unterlassen in die alte Klage über den sogenannten Rachegeist, particularistischen Heidenhaß und pharisäisch-nationalen Eigendünkel von denen das Estherbuch durchdrungen sein soll, heftig miteinzustimmen. Bei jeder noch so indirekten Berührung des Estherproblems wird die unverzeihliche Profanisierung des alttest. Kanons durch die Aufnahme des Estherbuches strenge gerügt. Bei aller rückhaltslosen Hochachtung vor den unermeßlichen Leistungen der protestantischen Exegese und trotz des heißen Dankbarkeitsgefühles für dieselbe, von dem wir durchdrungen sind, können wir es doch nicht unterlassen zu erklären, daß die alte Leier von der inhumanen Tendenz des Estherbuches nichts arideres, als eine durch l) Uber die Liebe und Anhänglichkeit der späteren persischen Juden zum persischen Reiche, vrgl. B. Sanhedrin 98. Joma 10, Midrasch rabba zu Cantic I.