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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 6 · p. Seite 651

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 6
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 651 Berücksichtigung der damaligen politischen Verhältnisse und für die ungeheure Überschätzung der geographischen Ausdehnung dieser Rebellionen. Wir haben schon oben gesehen, daß das zweite Edikt, welches den Mordbefehl, wenn auch in umschriebener diplomatischer Weise, annulierte, schon früher eintreffen mußte, bevor noch der Inhalt des Hamanschen Erlasses der Öffentlichkeit bekannt wird. Wenn daher in der Residenzstadt Susa, wo der Morderlaß, vielleicht durch Mordechais Trauerankündigung, genauer bekannt wurde, einer mordlustigen Rotte Gelegenheit bot, gegen die Judäer los zu ziehen, so darf das gleiche durchaus nicht ohne weiteres von den anderen Städten des Perserreiches angenommen werden. Dazu bedenke man, daß das Ereignis in eine Zeit fällt, in der das persische Reich soeben niederschmetternde Schläg bei Salamis, Platäa und Mykale erhalten hat Und seit Jahren in einer anhaltenden verzweifelten Fehde zu Wasser und zu Lande gegen die griechischen Heerscharen sich befand, wodurch das Ansehen des Perserreiches unermeßlichen Schaden litt, während der kopflose Tyrann auf dem Throne, die Reichspolitik durch seine Haremspolitik ersetzend, Preise ausschrieb für die Erfindung neuer sinnlicher Genüsse und seines Reiches nur insofern gedachte, als er ihm die drückendsten Steuern immerfort aufbürdete. In solchen traurigen Zeiten, in denen dem Perserreich eine Provinz nach der andern verloren ging und im Laufe weniger Jahre auf die schrecklichen Verluste von Kypros und Byzanz die aufreibende Doppelschlacht bei Eurymedon folgte, werden die hohen Vertreter der verschiedenen Länder, zumal im persischen Westreich, wohl etwas wichtigeres zu tun gehabt haben, als nach dem Wunsche des regierenden Wüstlings die Völker innerhalb des Reiches gegeneinander zu hetzen und einen ruhigen und soliden Volksstamm niedermetzeln zu lassen, zumal ja der König selber diesen tollen Erlaß widerrufen hatte.

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