Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 645 Weise Gebrauch gemacht werden, um eine Änderung des Entschlusses ganz unmöglich zu machen. Wir wissen, daß in Persien jeder Ratsherr den ungünstigen Ausgang seines Rates mit seinem Leben bezahlen mußte. Wir wissen ferner, daß persische Könige ihre zu hohen Staatswürden gelangten Günstlinge häufig so sehr fürchteten, daß sie zu den verwerflichsten Mittel griffen, um sie durch List oder Meuchelmord aus dem Wege zu schaffen1). Eine solche Szene spielt sich hier vor unseren Augen ab. Haman, der dem König über den Kopf gewachsen war und durch die Einladung Esthers auch noch die Eifersucht des Königs reizte2), mußte durchaus beseitigt werden. Die Anklage Esthers und Charbonas kam dem König daher sehr gelegen und die Verstoßung des Günstlings folgte ihr auf dem Fuße3). Der Text belehrt uns ausdrücklich, daß Ahaäveroä in allem Ernst nicht wußte, um was für eine »zersprengte und zerstreute Horde« es sich hier handelte. Wir bekommen damit eine Antwort auf die Frage: wieso der König einige Tage nach dem Hamanschen Erlasse den Juden Mordechai dekorieren ließ, ohne zu bemerken, daß er als ein Jude dem Tode geweiht sei4). Wir begreifen auch, wieso der 2) Spiegel, Eran. Alt. II, 325. 2) Wenn Haman auf dem Gipfel seines Glückes sich auch seiner vielen Söhne rühmt (5, 11), so finden wir auch Herod. 1, 24, 136. Strabo 7, 44. 15, 734, daß kinderreiche Väter sogar Prämien vom König bekommen. Zu 5, 3, 6. 7, 2. vrgl. Herod. 9, 109. s) Es ist keineswegs die racheschnaubende jüdische Phantasie des Verfassers, die die unschuldigen Söhne Hamans umbringen, läßt Herodot 4, 69 berichtet ausdrücklich »die aber der König umbringen läßt, deren Söhne werden auch nicht verschont, sondern alles was männlich ist, tötet er«. Wie Esther das konfiszierte Haus Hamans bekommt, so bekommt auch nach Herod. 9, 116, ein verdienstvoller Beamte ein konfisziertes Haus von Ahasveros geschenkt. 4) Gegenüber dem Einwurfe: daß es Haman doch nicht einfallen konnte, einen Mann töten zu wollen, der sich um das Leben des Königs verdient gemacht habe, sei darauf aufmerksam gemacht,