Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 560 (sequence 22)
- Language
- German
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560 Die Todesstrafen der Bibel und der jüd.-nachbiblischen Zeit. des Verbrennens wegen der völligen Vernichtung des Körpers zur Erstickung durch eine brennende Schnur abgeändert wurde, an weiteren Belegen prüfe, will ich noch auf die Fälle hinweisen, in denen das Verbrennen des Verbrechers als Verschärfung der Todesstrafe zu erklären ist. Die Bibelausleger verweisen hiefür in erster Reihe auf Josua 7, 25, wo der in Vers 15 über Achan verhängte Feuertod auffallenderweise folgendermaßen vollstreckt wird: וירנמו אותו בל ישראל אבן וישרפו אותם באש ויסקלו אותם באבנים ויקימו עליו גל ׳אבנים־ גדול, ganz Israel steinigte ihn und verbrannte sie (seine Angehörigen) mit Feuer und sie steinigten sie und errichteten über ihm einen großen Steinhaufen. Alle Ausleger stimmen darin überein, daß der Wortlaut wegen der Objektsuffixe unüberwindliche Schwierigkeiten darbietet; wohl Grund genug, auf allgemeine Schlüsse auf die Einzelheiten der Strafvollstreckung zu verzichten. Ich möchte nur auf Cyprians Bericht über den Tod der Märtyrer in Karthago im 40. Briefe »an die Geistlichkeit und das Volk« über die Weihung des Numidicus zum Priester (Opera ed. Hartei I,p. 585 ff.) hinweisen: Eine große Anzahl der Märtyrer wurde durch Flammen und Steine getötet; Numidicus, der seine an seiner Seite stehende Gattin fröhlich mit anderen verbrennen sah, wurde halb verbrannt, mit Steinen bedeckt und als tot zurückgelassen, von seiner Tochter halb lebend aufgefunden und wieder zur Besinnung gebracht. Es äst hieraus ersichtlich, daß die Versammelten, die in der Schilderung neben der Obrigkeit als das lärmende Volk erscheinen und auch bei anderen Hinrichtungen eine nicht gerade sympathische Rolle spielen, auf den Scheiterhaufen Steine werfen (siehe weiter). So könnte das Volk auch hier, um seiner Stimmung gegen Achan Ausdruck zu geben, ihn mit Steinen beworfen haben, und als er mit seinen Angehörigen bereits verbrannt war, schleuderten die Versammelten wieder Steine auf ihre Asche; aber von einer vom Gerichte angeordneten Steinigung dürfte kaum die Rede