Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 556 (sequence 18)
- Language
- German
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556 Die Todesstrafen der Bibel und der jüd.-nachbiblischen Zeit. Weise, wie die Lehrer der Mischna die Hinrichtung des zum Feuertode Verurteilten vorschrieben1). Sie legen in der auffallenden Erklärung der Bibelstellen deutlich darauf das Hauptgewicht, daß der Körper des vom Feuertode Ereilten bei der leichteren Sünde, für die sie diese Strafe traf, erhalten, nach dem schweren Vergehen dagegen zu Asche verbrannt wurde; offenbar weil sie die für die Strafgerichtsbarkeit wichtige Frage beschäftigte, ob der Körper des zum Feuertode Verurteilten von den Flammen völlig vernichtet werden dürfe. Gott selbst, dessen Strafvollstreckung dem menschlichen Gerichte als Vorbild dienen müsse, tötete Nadab und Abihu und das große Heer des Königs Sancherib durch Flammen, die bloß die Seele verbrannten, den Körper aber unversehrt ließen, und nur Korachs Rotte wurde wegen ihrer schwer zu ahndenden Auflehnung gegen Gott völlig verbrannt. Die Schule der Konservativen dagegen, die an dem Wortlaute des Gesetzes vom Feuertode festhielt und die völlige Verbrennung des Verbrechers forderte, ließ den Beweis von Nadabs und Abihus Tod und von der Erstickung des Heeres Sancheribs nicht gelten und deutete die Bibelstellen, wie die Apokalypse Baruchs zeigt, künstlich dahin, daß das Gottesfeuer sowohl die Seelen, als auch die Körper der Genannten verzehrte, aber deren Kleider unversehrt ließ2). 1) Wenn somit Weiß (דור דור ודורשיו I, 151) in der Beschreibung der Hinrichtung durch Feuer in der Mischna bloß das Ergebnis der Deutung einer Bibelstelle in den Lehrhäusern von Jabne und anderen Orten Palästinas nach dem Jahre 70 erblickt, so ist dieses, was die Zeit- und Ortsbestimmung betrifft, nicht richtig. Die Deutung ist aber auch abgesehen hievon nicht das primäre, sondern bloß ein Mittel zum Zweck. Daß den Lehrern keine Überlieferung, über Hinrichtungen nach ihrer Auffassung vom Feuertode zur Verfügung stand, ist richtig; aber dieses hat, wie ausgeführt werden soll, darin seinen Grund, weil wegen der Römerherrschaft Hinrichtungen während der Herrschatt der Pharisäer im Synhedrion überhaupt nicht vorkämen. 2) Gott straft oft mit Feuertod, da der Blitz seine Geißel ist;