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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 537

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 537 (sequence 25)
Language
German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 537 königin, die gewöhnlichen legitimen Frauen, wie überhaupt alle Verwandten des Königs1). Die eigentliche Großkönigin und ebenbürtige Frau des Ahasveios war nach wie vor die berüchtigte Amestris, Tochter des Otanes, des reichsten und vornehmsten Persers und des obersten Befehlhabers des persischen Heeres und des ersten Mitverschworenen des Darius I.2), die den Ahasveros noch überlebt hat3). In welcher vertrauten Weise eine solche Großkönigin mit ihrem Gatten verkehrte, wie sie ihn häufig beherschte und sogar tyrannisierte, dafür haben wir außer in Amestris, Parysatis und Atossa noch viele andere Beispiele. Eine solche braucht nicht, wie Esther (4,11.16), für unbefohlenes Erscheinen vor dem König, den Tod zu gewärtigen, oder mit der Eventualität zu rechnen, während 11 Monaten nicht zum König gelangen zu können4). Dagegen stimmen die oben gegebenen Schilderungen von der Unnahbarkeit des Königs in bezug auf eine einfache legitime Frau sehr wohl5). Es kommt hier zum richtigen Verständnis des Zweifels Esthers an ihrer Macht über den König auch noch das sehr wichtige Moment in Betracht, daß zwischen der Erwählung Esthers 2, 15 und dem Auftreten Hamans 3, 7—12, ein Zeitraum von nicht weniger als 5 Jahren liegt. Eine dauerhafte Zuneigung eines Despoten ist aus den Haremsgeschichten der persischen Könige sonst nicht bekannt. Zum Range einer einfachen legitimen Frau, wie Esther, נ) Xenoph. Cyr. 8, 3, 13. Herod. 8, 18. Josephus Antiqu. 20, 3, 3. Schachname 2005. 2) Herod. 7 61, 114; 9, 108—13, auch Ctesias kennt die Amestris. 3) Spiegel, Eran. Alt., 2, 414. *) Esther, 4, 10—161 Plut. Artax 5. 5) Als eklatantes Beispiel für das sklavische Verhalten einer Frau dem persischen König gegenüber, hat Oppert, mit Recht, die rührende Geschichte der Phädyma (Herod. 3, 681) angeführt, die, als Tochter des berühmten Persers Otanes, nach einer mehrmonatlichen Zugehörigkeit zum königlichen Harem ihrem Vater versicherte, ihren Gatten noch nicht von Gesicht zu kennen, und dem Drängen ihres Vaters, die Ohren ihres Gatten zu beobachten, nur mit großer Lebensgefahr nachzukommen versprach, und auch das nur in einer Nacht,

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