Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 536 (sequence 24)
- Language
- German
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536 Das Buch Esther in. geschichtlicher Beleuchtung. daher als Folge des Fiaskos, welches AhaäveroS bei seiner schönen Schwiegertochter Artaynte gemacht hat, das Erwachen der Erinnerung an seine schöne Favoritin VaSti und die Reue wegen ihrer Verstoßung (Esther 2, 1 f.) ansehen., Die Hofbeamten veranstalteten darum eine neue Aushebung junger Damen, um dem Könige Ersatz für die verstoßene Schöns zu bieten1). Gelegentlich einer solchen Mädchenlieferung kam auch Esther in den königlichen Harem. Durch auffallende Schönheit ausgezeichnet, erwarb sie sich sogleich die Gunst des Königs in hohem Maße und galt als Favoritin; und als Ersatz für die schöne Vaäti gehörte sie zu den Haremsdamen erster Qualität oder hatte gar den Rang einer legitimen Frau, deren der König nicht wenige hatte2). Unser Verfasser nennt sie mit Recht »Königin«, weil sie als legitime Königsfrau, im Gegensatz zum Kebsweibe, diesen, Ehrentitel verdient. Auch Kronen mit Diademen, gleich der Königskrone (2, 17), trugen außer der Großfallende chronologische Übereinstimmung hat Oppert mit Recht als einen konkreten Beweis für die Treue dieser Erzählung hingestellt. x) Man braucht das nicht so wortwörtlich zu nehmen, als handelte es sich hier um eine noch nie dagewesene Generalmusterung sämtlicher Mädchen des persischen Großreiches, die lediglich den Zweck hatte, um aus diesen Massen eine einzige als die Nachfolgerin Vastis auszuwählen. Berichtet doch unser Text selbst noch von einer andern Mädcheneinsammlung, selbst nachdem Esther schon erwählt war (2, 19), und daß ferner alle versammelten Mädchen im Harem verblieben (2, 14). Es ist hier vielmehr nur die im alten und auch noch im heutigen Persien sehr oft wiederkehrende Beschaffung neuen weiblichen Zuwachses gemeint. 2) Gegenüber dem Einwande, daß die Winterereignisse von Esther 2, 15, sich doch nicht in der Sommerresidenz Susan zugetragen haben können, verweisen wir auf Meyer., G. d. A., 3, 29 und Spiegel, Eran. Alt., 3, 613, woselbst der Nachweis erbracht ist, daß diese vereinzelte Notiz des Xenophon nur für die spätere Zeit zutrifft. Die Achämeniden s eit Darius 1., dem Vater des Ahasveros, hatten ihren ständigen Sitzin Susa.