Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829801-2887164--34773-2887217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
538 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. deren es in jedem Königshofe sehr viele gab1), konnte es auch eine Ausländerin nichtadeliger Herkunft sehr wohl bringen (vgl. oben). Die Verheimlichung ihrer Herkunft hat Esther daher keinerlei Schwierigkeiten bereitet, wie ja auch unser Verfasser nirgends davon erwähnt, obgleich er das Moment des Verheimlichens zweimal hervorhebt. Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu Mordechai waren sowohl dem König (2, 22) als auch den Hofleuten wohl bekannt (2, 8, 11; 4, 4, 5)2). Ist ja Mordechai zweifellos gerade ihretwegen zu seiner Stellung am Hofe gelangt3)♦ Oder hätte er sonst so oft mit ihr verkehren können (2, 11, 12)? Nach Plut. Art. 26 erfolgte ja schon Todesstrafe, wenn man nur in die Nähe einer Haremsdame kam4). Gerade die sekundäre Stellung Esthers, die in Esther 4, 10—16 zum Ausdruck kommt, macht es leicht begreiflieh, wie Haman daran denken konnte, den Stamm, dem Esther zugehörte, zu vernichten, zumal der König weder von Esthers noch von Mordechais Zugehörigkeit zum Judentum eine Ahnung hatte5). in der sie zum König befohlen ward. Nur hat Oppert, wie auch Di« eulatoy (Le Acropol de Suse 127) nicht gemerkt, da6 Phädyma eine legitime Königin war, wie sie überhaupt den Unterschied zwischen »legitimer Frau« und »Kebsweib« nicht zu kennen scheinen, und daher Esther als einfaches Haremsweib hinstellten, was dem Gesamtinhalt des Estherbuches widerspricht. ב) Vgl. Salomos 700 rechtmäßige Frauen. 2) Aber nicht ihre Zugehörigkeit zum Judentum vgl. Esther 3, 4. Esther 8, 1. כי הגידה לו מה הוא לה ist gemeint, daß Esther dem König gemeldet habe, in welcher verwandschaftlichen Beziehung sie zu Mordechai stehe. 3) Vgl. oben S 530. Die LXX zu Esther 2, 17 betont dieses Moment nachdrücklich. Mordechais Stellung am Hofe als zu den »Augen und Ohren des ^Königs« (Xenoph. Cyr. 8, 6, 16 Aeschyl. Perser 980. Aristoph. Achar. 92) gehörend, würde seine Entdeckung der Verschwörung viel begreiflicher machen, zumal Ämter wie diejenigen des בענן ותרם fast ausschließließlich Ausländern anvertraut wurden (Herod. 3, 130, Xen. Cyr. 8, 1, 9). 4) Auch Otanes konnte natürlich nur als Vater mit seiner Tochter so oft verkehren (Herod. 3, 68—69). 5) Esther 2, 10, 20; 3, 4, b.