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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 531

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 531 (sequence 19)
Language
German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 531 seiner Zeit vorausgesetzt. Und wenn wir demgemäß unsere Erzählung vom Standpunkte der damaligen Zeitverhältnisse aus betrachten, so finden wir leicht den Rahmen, in welchen alle die uns auffällig erscheinenden Momente regelrecht hineinpassen. Auf Grund echt zeitgenössischer Schilderungen von Augenzeugen können wir nämlich vom persisehen Hof leben etwa folgendes kurze Bild entwerfen. Nach altorientalischer Anschauung war das Volk nur um seiner Despoten willen da und nicht umgekehrt. Der Herrscher war daher der Zweck des ganzen Staates. Wie die schönsten Viehherden und Fruchtwiesen hauptsächlich dazu dienten, um mit dem Besten ihres Ertrages die Tafel der Könige und der Satrapen zu beladen1), so war auch der Zuwachs an weiblichen Schönheiten in erster Linie dazu bestimmt, die fürstlichen Harems vollzählig zu erhalten2). Die Fürsten erhielten Weiber durch Kauf, durch Geschenk und nicht zum mindesten durch Auswahl aus den erbeuteten Kriegsgefangenen. Die Aushebung der schönsten Mädchen für den Bedarf des Großkönigs war daher ein gar nicht seltener Vorgang. Hoflieferanten sorgten für eine gute Besetzung der Harems gerade so wie für die Herbeischaffung aller anderer erwünschten Artikel. Die Zahl der Haremsweiber war eben nur nach unten zu eine beschränkte3), nie aber nach oben zu4). Es lag vielmehr im Interesse der zahlreichen Staatsbeamten, Favoritinnen aus ihrer Heimat am Hofe zu haben, um diese eventuell zu politischen Zwecken gebrauchen zu können. Zur Aufnahme in den Harem bedurfte eine Frau nur eines schönen Leibes; Geschichte, Namen, Charakter ג) Strabo, 15, 735. Xenoph Cyr. 8, 2, 3; 8, 6, 10—13. Anab. 1, 2, 7. Herod. 1, 133; 7, 116, 119. Plut. Art. 4, 5. Königsbuch 1526 f. 2) Plut. Artax. 27, u. v. A. s) Nach Diodor 2, 220, mußte die Zahl der Beischläferinnen, den Tagen des Jahres entsprechend, 360 sein. Von Darius II. wissen wir aus Plut. Artax 27, daß dies der Fall war. 4) Khosro II. hatte deren 1200. Spiegel, Eran. Alt., 3, 525. 34*

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