Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 527

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 527 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829801-2887164--34762-2887206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 527 wird, daßKambyses den Rath der Gesetzeskundigen eingeholt habe. In Wirklichkeit besteht aber weder im Estherbuche noch in Herodot irgend welcher Widerspruch. Die persischen Könige handelten eben in unumschränkter Weise und machten von der Sitte, die Ältesten zu befragen, nur einen zeitweiligen und scheinbaren G e b r a u c h1). 13. Gegen den alten Einwurf, daß nach Esther 2, 6, Mordechai mindestens 120 und Esther mindestens 80—90 Jahre alt gewesen sein müsse, haben schon Ibn Esra, Sacuto, Baumgarten u. a. bemerkt, daß V. 5. ״אשר הגלה״ nicht auf Mordechai, sondern auf seinen Urahn Kisch zu beziehen sei. Da nun die jüngere Exegese diese Deutung als eine gezwungene bezeichnet, so soll hier gezeigt werden, daß gerade umgekehrt diese Interpretation die einzig mögliche ist. Denn erstens wäre das Zurückgreifen auf mehrere Ahnen der fernen Vergangenheit, genealogisch höchst unwahrscheinlich. Ferner waren weder Kisch noch Simei von irgend welcher Bedeutung, um bei der Legitimierung Mordechais genannt zu werden, während es ungleich näher gelegen hätte für diesen Zweck Mephiboset und Jonathan herbeizuziehen; und hätte unser Verfasser, wie fast sämtliche Exegeten annehmen, au's der Aszendenz Mordechais nur Zeitgenossen Agags nennen wollen, so hätte er doch erst recht, statt des namenlosen Kisch, gerade den Saul nennen müssen. Aus Chron. 8,38—40; 9,35—44, geht drittens hervor, daß Simei kein Nachkomme des Kisch, des wie Vaters Sauls, gewesen sein kann. Viertens ist es so gut wie ausgeschlossen, daß im vorexilischen Jerusalem, der echtbabylonische Namen Mordechai existiert habe, weshalb auch ein Mann dieses Namens aus Jerusalem nicht depotiert sein kann. Sind aber Kisch und Simei die Namen des Großvaters und des Urgroßvaters Mordechais, dann müssen die Worte אשר הגלה notgedrungen auf Kisch bezogen x) Meyer, G. d, A., 3, 33. Spiegel, Eran. Alt. 3, 326.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.