Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
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520 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. i ehlen. Mit noch größerem Nachdruck aber wird allerseits die Nichterwähnung der Purimfeier in I. Makk. 4, 38 hervorgehoben. Bezüglich des Särach darf nun nicht übersehen werden, daß. auch Namen wie Daniel (vgl. Ezech. 14, 14. 20; 28, 3) und Esra, in dieser Liste vergeblich gesucht werden. Mag Sirachs Bibelbelesenheit eine noch so rühmenswerte sein, das Estherbuch, welches damals, wie wir später sehen werden, höchstwahrscheinlich noch nicht abgefaßt war, kann er nicht gekannt haben. Auch das sehr späte III. Makk. 6, 19 erwähnt nichts von Esther und Mordechai. Was nun die Beweisführung von I. Makk. betrifft, so leidet sie an großer Unsicherheit; denn auch Josephus (XII, 10, 5) erwähnt, gelegentlich der Behandlung der Geschichte von 1. Makk. 4, 38, der Purimfeier nicht, obgleich er über dieselbe an einer anderen Stelle sehr ausführlich handelt. Übrigens darf aus dem Schweigen von I. Makk. höchstens geschlossen werden, daß die Purimfeier zur Zeit der Abfassung dieses Buches in Palästina noch nicht Eingang gefunden hatte, — was sich weiter unten als höchstwahrscheinlich ergeben wird, — der Schluß daraus auf die Ungeschichtlichkeit der ganzen Erzählung schießt unendlich weit über das Ziel hinaus. 5. Wenn ferner geltend gemacht worden ist, daß das Estherbuch sich eher wie ein Roman als wie ein geschichtlicher Bericht lese, so fragt es sich, ob nicht historisehe Erlebnisse, wie diejenigen Napoleons I. oder eines Dreyfus’ oder gar die allerjüngsten des Hauptmannes von Köpenick, viel seltsamer und romanhafter erscheinen, als alles, was je eine Dichterphantasie auskombiniert hat. Driver1) sagt: »Die Wirklichkeit ist oft seltsamer als die Dichtung, so daß es ein ziemlich fragwürdiges Unternehmen ist, auf Erscheinungen dieser Art eine weitgehende Beweisführung zu begründen«. Wenn Kuenen es als eine ganz besondere Unwahrscheinlichkeit bezeichnet, daß z. B. der l) Einl. ins A. T. zu Esther.