Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
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516 Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. lieh wissen wir positiv, daß während der ganzen Perserherrschaft die Juden unbehelligt überall im persischen Reiche leben durften. Wenn wir nun diese 'Einzelmomente der Reihe nach untersuchen, so fällt gewiß die erste Frage, warum das im Esterbuche Erzählte nicht auch anderweitig belegt sei, auf das schwerste ins Gewicht. Allein dieser Einwand wäre nur dann von Belang, wenn wir überhaupt über die Zeit, in die unser Ereignis fällt, genauer unterrichtet wären. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. Vom Jahre 479 dem 7. Regierungsjahre des Ahaäveros an, also von dem Jahre, in welchem die Esthererzählung beginnt (II, 15), mangelt es an einer geschichtlichen Darstellung vollständig. Sämtliche Geschichtsschreiber des Altertums lassen uns über diese Zeit nach dem großen griechisch-persischen Kriege völlig im Dunkeln. Die einen, wie z. B. die bei Justin erwähnten Quellen, reichten schon ursprünglich nicht über die allerälteste Achämenidenzeit herab. Andere dagegen, wie Justin, Diodor und Thukydides interessieren sich nur für die mit Griechenland in Zusammenhang stehende westliche Hälfte des persischen Reiches, nicht aber für das eigentliche Persien. Von manchen vorherodotischen Annalisten, die über Persien berichten, ist überhaupt nichts auf uns gekommen, so z. B. von Charon von Lampsakus, der in 2 Büchern eine Äthiopioca, Libyca und Persica schrieb, ferner von dem bei Dionys von Halikarnass (Antiqu. rom. 1, 12) erwähnten Antiochus aus Syracus, der um die Zeit des Darius Nothus schrieb. Von einigen anderen Schriftstellern sind uns die Berichte über die Zeit nach dem griechisch-persischen Kriege verloren gegangen. Das gilt bestimmt von Ktesias, von dem über diese• Zeit nur ganz kleine Fragmente in der Bibliothek des Photius (9. Jahrh.) gesammelt sind und höchstwahrscheinlich auch von Herodot, bei dem wir über die letzten 14 Jahre des Ahaäveroä nur einige kleine