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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 5 · p. Seite 517

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 5
Article
Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
Date
1906-01-01
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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Das Buch Esther in geschichtlicher Beleuchtung. 517 Erzählungen erhalten haben, welche unerwartet abbrechen1). J Die persischen Hofannalen (Esther 2, 13. 10, 2) die auch Ktesias benutzt hat, sind sämtlich verloren gegangen. Die beiden sehr alten Überlieferungen bei Kleuker (Anhang z. Zendavesta 1, 53), wonach Alexander Rumi (d. h. der Grieche) in der Absicht, die persische Religion zu vernichten, sämtliche Schriften der Perser, nachdem ihr naturwissenschaftlicher Inhalt exzerpiert wurde, verbrennen ließ, finden ihre vielfache Bestätigung erstens in der bekannten Tatsache, daß Alexander auf diesem Zuge alles für die Naturforschung wichtige Material für seinen Lehrer Aristoteles sammelte (Arrian 7,13), zweitens in den Berichten Arrians (7, 17) und Strabos (7, 38), wonach die Makedonier Vorgaben, die Beraubung der griechischen Tempel durch AhasveroS rächen zu wollen, und drittens in den ferneren Berichten des Pilinius (H. N. 1, 6, 21) und des Strabo (1, 15), daß Alexander den königlichen Palast zu Persepolis verbrannt habe, wodurch zweifellos viele literarische Schätze der alten Perser der Vernichtung anheim gegeben wurden. Es liegt daher gar kein Grund vor, die historische Echtheit dieser Überlieferungen bei Kleuker zu bezweifeln. Viele Reste des altpersischen Schrifttums wurden auch *) Die Frage ob Herodot über die spätere Zeit überhaupt ausführlich geschrieben habe, die von den meisten Philologen und Historikern auf Grund von Herod. 1, 106, 184. 7, 213 entschieden bejaht, von Ed. Meyer (Forschungen 1, 67), dagegen verneint wird, ist für unsern Fall belanglos; denn wie immer es sich damit verhalte, die Estherepisode erwarten wir in diesen abrupten Reminiszenzen Herodots 108—13 nicht. Wir werden außerdem später auch noch sehen, daß die Purimereignisse, sowohl diejenigen am Hofe als auch die in der Provinz, keinesfalls von irgendwelcher Aufsehen erregender Bedeutung waren. Ihr Fehlen in anderweitigen mangelhaften Berichten darf daher so wenig zu geschichtlicher Verdächtigung Anlaß geben, wie etwa die der von Josephus (Antiqu. 18, 20) berichteten Judenkravalle in Babylon, die sonst nirgends erwähnt sind.

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