Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
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508 Besprechungen. das Judentum, von dem jetzt behauptet wird, daß es eine Gefahr für die indoeuropäische Kultur bildet, weil es sich alles assimiliert. Was aus dem Judentume geworden wäre, wenn es den hellenistischen und den daraus hervorgewachsenen christlichen Bewegungen und Ideen nachgegeben hätte, geht uns schließlich nichts an. Wir sehen, was daraus geworden ist, und stehen wie jeder rechtschaffene Beobachter der Weltereignisse, mit Bewunderung und nicht mit Verachtung vor der geschichtlichen Erscheinung des um sein nationales und insbesondere religiöses Leben und Dasein ringenden Volkes. Dafür fehlt Fr. offenbar jede Empfindung. Denn er sagt — und hiemit gelangen wir zu Vorwort und Einleitung —: »Wir haben keinen erlösenden Gedanken seit 2000 Jahren in die Welt 2u setzen vermocht. Und wenn wir der Welt nichts mehr zu sagen haben, wozu sind wir noch? ״־־ Bringen wir die Kraft nicht auf, an die Propheten, Weisheitsliteratur, Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments und an das Evangelium Jesu anzuknüpfen und die Fahne des Messianismus im Sinne des alten Judentums und im Geiste der neuen Zeit aufzurollen — dann erwartet uns Siechtum, das solange währen wird, bis dem Christentum ein anderer, mächtigerer Luther geboren wird, der die Kirche von heute an Haupt und Gliedern reformiert, unmittelbar an den Geist des Evangeliums Jesu anknüp'ft, den Stein unseres Anlaufs, den die heidnische Philosophie in sie eingeführt, entfernt und uns den Eintritt frei macht«. * Wir warten nun schon gerade lange genug. Spricht die Kirche von einem Messianismus oder sprechen, beten, predigen wir davon? Welch’ ein Widersinn! Wir sollen an die Evangelien anknüpfen, für die der Messias gekommen ist, und an die Propheten, für die er nicht gekommen sein kann. Wohin soll uns der Eintritt frei gemacht werden? In eine an Haupt und Gliedern reformierte Kirche? aber doch in die Kirche! Was hilft es, wenn das Evangelium Geist vom Geiste des hellenistischen Diasporajudentums ganz und gar ist? Kirche bleibt Kirche. Man traut seinen Augen und Ohren nicht, wenn man sieht und hört: »Nicht darauf kommt es an, wie wir die Bibel auffassen, und was sie uns ist und bedeutet, sondern darauf, wie die Welt sie auffaßt und was sie ihr bedeutet. Diese aber hat auf unsere mündliehe Lehre verzichtet, dafür jedoch verständnisvoll nach der Schriftauslegung des jüdischen Hellenismus gegriffen, mit deren Hülfe alle nationalen und rituellen Satzungen aus dem Messianismus ausgeschieden und die ewigen Werte desselben in sich aufgenommen.« Wo ist diese Welt, die das getan hat? Wo sind die ewigen Werte zur Wirklichkeit geworden? Etwa im modernen Christentum? etwa in der modernen Philosophie oder Literatur? wo in aller Welt ist dieser Traum in Erfüllung gegangen? Wo und wann ist das