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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 507

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 507 (sequence 11)
Language
German
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Besprechungen. 507 Judentum dargestellt und geschildert. Wie es sich Fr. aber vorstellt, daß etwa die antinomistisch-hellenistische Geistesrichtung unbedingt in den breiten Massen der Äm-haarez sowohl der Diaspora als in Palästina die Oberhand hatte und sie ganz erfüllte, ist weder verstündlich, noch nachweisbar. Und auch Fr. ist den Beweis dafür durchaus schuldig geblieben. Die am-haarez-feindlichen Äußerungen der Pharisäer beweisen garnichts. Diesen gegenüber stehen die liebevollen und niemanden von der Liebe und Seligkeit abschließenden, zahlreichen und zweifellos in die Massen gedrungenen Lehren anderer Pharisäer. Hier Stellen zu zitieren, hieße Eulen nach Athen tragen; der Hinweis auf Aboth allein genügt. Wem sind sie nicht geläufig? Friedländer aber] macht sich in seinem Kapitel über Am־haarez schwerer, doppelter und dreifacher Vergehen schuldig. Er behauptet alles und beweist nichts. Die Behauptung steigert er in seiner fanatischen Pharisäerverachtung und ebenso fanatischen Hellenisten- und EvangelienVerehrung zur Entstellung der Wahrheit und in dem begeisterten Plaidoyer für seinen Phantasie־Am־haarez geradezu zur Unwahrheit. Keinerlei Beweis wird dafür erbracht, daß die Am-haarez die Abschüttelung des Gesetzesjoches durch den Messias ersehnten und erhofften; keinerlei Beweis dafür, daß die Massen des Land- Volkes den Pharisäern mit tätlichem Hasse gegenüberstanden und die Lehren des Täufers oder Jesu mit offenem Herzen und Sinne vernahmen und empfingen; keinerlei Beweis endlich dafür, daß diese Massen überhaupt in solcher Form existierten, wie sie geschildert werden. — Sie verachten das Gesetz und kennen es nicht. Gut. Woher aber ist bewiesen, daß sie die schwer verdaulichen und schwer begreiflichen Lehren der Sibyllisten, Apokalyptiker und ihrer Nachfolger wohl erfaßten und erfüllten? Seit wann huldigt die Masse unklaren, philosophischen Begriffen? Wem sie aber in der Zeit, die Fr. behandelt, wohl gehuldigt haben, das sind die auf die klare Quelle uralter Tradition zurückgehenden, tief in der Gewohnheit und in Herz und Seele der Massen wurzelnden, das ganze Leben heiligenden und versittlichenden Sitten, Gebräuche, Lehren und Weisungen, die in unerschöpflicher Hülle und Fülle in den talmudisehen Schriften erhalten sind und sich durch die Not und Qual der Jahrtausende als der gewiß schwer lastende, aber gute und treue Panzer bewährt haben, der die edelsten Organe des Trägers schützte. Und gerade um diese edelsten Organe zu schützen, mußte gegen alles Hellenische mit Macht angekämpft werden, was Fr. selbst zugibt (Einleitung S. 3). Die ganze hellenistische Literatur mit ihrem Gedankeninhalte hat das Judentum von sich gestoßen, während es die ganze arabische Literatur und Philosophie in sich aufgesogen hat,

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