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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 509

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 509 (sequence 13)
Language
German
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Besprechungen. 509 evangelistische Christentum Tat und Leben gewesen? Ist nicht im schlimmsten Sinne des Wortes ein ch ri s tlich es Pharisäertum, ein Partikularismus ohne Gleichen an Stelle des schön geträumten Universalismus getreten? Zu der Weltmission des Judentums zählt Fr. nicht ganz mit Unrecht jene des ganzen neuen Testaments. Was das Judentum betrifft, so hat es, wie schon einmal erwähnt, darin genug getan; es wird noch mehr tun. Es brauchte nicht von Fr. die Belehrung zu erhalten: »Die Taufe, die ich predige, sie ist die nichtjüdische, zur Buße und Sinnesänderung auffordernde Taufe des Johannes, des wiederkeh-- renden Elia, dessen Aufgabe es ist, die Menschen für den bevörstehenden großen Tag des Herrn vorzubreiten, die einander entfremdeten Herzen zu versöhnen und für die Aufnahme der himmlischen Saat empfänglich zu machen«. Das beten wir ja an jedem Tage, an jedem Feste, zu jeder Stunde; das ist unser ganzes sehn•־- süchtiges Hoffen seit Jahrtausenden, und das brauchten wir nicht erst von Herrn" Friedländer zu lernen. Haben wir jemals das Herannahen dieser Zeit gehindert? Verlangen wir von der gläubigen Mitwelt vernunftwidrige Unmöglichkeiten? Behaupten wir, die Schlüssel zu den Pforten der Alleinseeligkeit zu besitzen? Aber, wozu dies alles? Diese Blätter wenden sich, wenn auch an einen großen Laienkreis, doch zunächst an Fachleute, auch Rabbiner und Seminartheologen. Und wie denkt Fr. von diesen? »Für unsere Rabbiner und Seminartheologen ist dieses Buch nicht geschrieben. Diese eines Besseren belehren zu wollen, wäre ein ver־־ geblich Mühen, denn bekanntlich ist niemand mehr blind, als wer nicht sehen will. Man braucht nur ihre allerjüngsten, das Wesen des. Judentums darstellenden Schriften einzusehen, um zu erfahren, wie weit die Verblendung dieser unserer Seelsorger geht, wie wenig sie gelernt und wie noch weniger sie vergessen haben. — Mit diesem, literarischen Plebejertum sich auseinandersetzen zu wollen, wäre ein. törichtes Beginnen. — An seinem pseudopharisäischen Stumpfsinn: scheitert die Logik. — Was uns unsere Rabbiner darüber zu predigen haben, darauf wollen wir garnicht reagieren; das ist ihres Amtes, und sie werden dafür bezahlt, daß sie uns ewig Liebkind nennen«.. (Vorwort S. XXX). Herrn Fr. hierauf mit gleichen Schmähungen zu erwidern, ver•־ bietet uns —־ die pharisäische Lehre. Wer ist hier der literarische Piebejer? Was Fr. da sagt, ist nicht die Sprache der Wissenschaft, sondern die Sprache zügellosen Hochmuts; es ist nicht die Sprache der Wahrheitsliebe, sondernder fanatischen Leidenschaft. Herr Fried-!ander will aber durchaus ein Apostel sein. Und das ließ ihn schuldig werden. An seinen Früchten werden wir ihn erkennen. Wien. __ D. Feuchtwan g,

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