Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829800-2887022--34737-2887155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen. 505 gangenen Werken das Gesamtmaterial mit Geschmack und Emsigkeit zu genauer Orientierung zusammengetragen und verarbeitet Dieser Arbeit Fr.s ist nämlich eine Anzahl von Werken vorausgegangen, welche dem Ziele zusteuerten, das er in vorliegendem Werke endgültig zu erreichen gedachte. Es Kann auch garnicht in Frage gestellt werden, daß seine großen Vorarbeiten einen Teil der Resultate im einzelnen zum Ergebnis hatten, die hier in großen Zügen zusammengezogen und zu einer einheitlichen Summe gestaltet worden sind. Bewegen sich doch fast alle seine Arbeiten auf dem Gebiete des Hellenismus und der neuteslamentlichen Schriften, auf dem er sich als Kenner bewährt hat. Nur wenige jüdische Forscher haben sich mit diesen Forschungsgebieten so liebevoll und gründlich befaßt. So eifrig er sich nun bemüht hat, aus der hellenistischen Literatur alles sorgfältig herbeizuholen, was das Reinmenschliche und Universalistische, das Reinethische und Religiöse ausmacht, so sehr er alle Kraft daran wendet, Jesus und die Evangelien im lichtesten Glorienschein erstrahlen zu lassen, ebenso lieblos, gehässig nd parteiisch verfährt er mit allem, was an die pharisäischen Gesetzgeber und deren Lehren erinnert. Der pharisäischen Lehre und den Pharisäern ist in dem Buche kein Kapitel gewidmet; der uneingeweihte Leser — und Fr. wendet sich vornehmlich an solche — erhält nur ein negatives Zerrbild. Und doch muß Fr. ebensogut wissen, wie es der schwächste Talmudist weiß, daß in dem Lehrgebäude der Pharisäer auch nicht der kleinste Zug dessen fehlt, was die bis zum Überdruß verhimmelte hellenistische Literatur und nun erst gar die Evangelien enthalten und bieten. — Es widerspricht jedem gesunden historischen Sinn, der pharisäischen Gesetzesauffassung und Gesetzeshandhabung, welcher doch die Erhaltung des Judentums und des reinen Monotheismus, wie unbestritten zugestanden ist, zuwegegebracht haben, und die nach der historischen Entwickelung der Dinge das Judentum so gestaltet haben, wie es nun einmal ist, ihren Siegern einen Vorwurf zu machen und dieses organisch gewordene und entwickelte Gebilde als eine Mißgeburt hinzustellen, als eine Spottgeburt sondergleichen. Und das tut Fr. mit demselben Behagen, mit dem die protestantischen und katholischen Theologen und Historiker aus begreiflichen Gründen bis zur Stunde mit missionärem Übereifer es zu üben gewohnt sind. Die Rolle nun, welche Fr. den Hellenismus spielen läßt, ist, was Palästina anlangt, eine gänzlich unbewiesene und viel zu bedeutsame*). Der Prophetismus wird von Fr. seines ganzen, direkten Einflusses beraubt. Zwischen ihm und dem Eingreifen des Griechentums klafft 1i Vgl. jetzt Büchler, »Der galiläische Am־ha־Arez«, S. 4, A. 1.