Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
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504 Besprechungen. Jesus über das Gesetz empor. »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, der Mensch nicht um des Sabbats willen.« Er durchbreche die Schranke des Speisegesetzes. Die scheinbaren Widersprüche in seiner Person seien Schöpfung der Evangelisten. Die D ar Stellung der Persönlichkeit Jesu in den Evangelien lehne sich vollständig an die Darstellung des Messias in de r Henoch-Apokalypse. Jesus lernte seine Feinde kennen und seine Entfremdung vom Buchstabenglauben sei das Maß für das Wachstum seines Vermögens, den Ausdruck wahren Glaubens von dem dogmatischer Knechtschaft zu unterscheiden. Er sei der höchsten Art Liebe fähig gewesen, deren Offenbarung im N. T. niedergelegt sei. Die universalistischen Tendenzen, die das Prophetentum vorbereit i, habe er zur höchsten Blüte gebracht. Seine Lehre sei: Nicht C ctt noch Messias sei der Religion Selbstzweck, sondern der einzelne Mensch, der sich zu Gott und seinem Messias erheben soll. Und diesem Werke der Erlösung des Menschen habe Jesus gelebt und sich geopfert. Sollte sein großes Lebenswerk nicht versanden, so mußte ein neuer Mann, der von anderen Voraussetzungen ausging, als jenen der gesetzestreuen Jünger Jesu, erstehen. Es war Paulus, der Diaspora- Jude, in dessen Brust zwei Kulturen, die jüdische und griechische, miteinander rangen. Als er aber die weltgeschichtliche Mission Jesu erfaßt hatte, riß er sich von dem beengenden Boden Jerusalems und udäas los und ging in die unbegrenzte Welt, »um ihr die frohe Botschaft der mit der Erhöhung des Menschensohnes errungenen Freiheit und Erlösung« zu bringen, indem er dort anfing, wo der Meister aufgehört; bei dem gekreuzigten und erhöhten Christus, der da bedeutet: Das Ende des Gesetzes. Wenn Friedl. es als die Absicht seiner Arbeit bezeichnet, mit dem Hinweis auf die natürlichen Vorbedingungen und Entstehungsgründe einer so großen Umwälzung, wie es das Christentum war, zugleich das Maß ihrer Selbständigkeit und originellen Bedeutung zu bestimmen, so ist ihm die Ausführung dieser Absicht in vielen Hinsichten gelungen. Es ist ihm gelungen, zu zeigen und wissenschaftlich zu beweisen, daß die religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums, die der Entstehung des Christentums vorausgegangen waren, alles vorbereitet hatten, die Frucht zu zeitigen; daß auch nicht ein Moment fehlt, das nicht im deutlichsten Keime schon vorhanden gewesen wäre, so daß nichts Originales mehr übrig bleibt; Erscheinungen, die in Vorurteilslosen, wissenschaftlichen Kreisen niemals bezweifeit worden sind. Fr. hat in diesem und in seinen vorange-