Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 502 (sequence 6)
- Language
- German
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502 Besprechungen. regeln gegen Minim ergreifen müssen. Nach der Zerstörung des Tempels sei der völlige Bruch mit den Minim erfolgt. Die talmudisehen Hauptdarstellungen der minäischen Bewegung, die aus dem Anfänge des zweiten Jahrhunderts stammen, zwängen zu der Annähme, daß diese mit dem Barkochba-Aufstande erloschen und in den christlichen Gnostizismus eingemündet sei. Die Quelle des Minäismus sei, nach dem Talmud, die durch griechiche Schulweisheit angeregte kosmog onisch-theosophische Geheimlehre. Sie sei in Pharisäerkreise eingedrungen. Acher sei ein klares Beispiel der Beziehungen zum Minäismus. Selbst Gesetzeslehrer wie R. Akiba wurden von minäischen Vorstellungen ergriffen. Die Intensität dieser Geheimlehren zeige sich in derTradition (Chag. 14 b): די נכנסו לפרדס וכס R. Elieser der Große sagte von sich: ועברתי על מה שכתוב בתורה: הרחק מעליה דרכיך זו מינות. Die große Anziehungskraft des מינות habe in der philosophischen Spekulation bestanden. Von dieser konnten die Am־haarez־Massen nicht angezogen werden. Die minäische Bewegung sei so alt wie der Hellenismus in Palästina. Sie suche auch das Urchristentum mit ihrem uferlosen Universalismus zu zersetzen. Der Anomos im zweiten Thessalonicher-Brief, sei Verkörperung des Minäismus. Pharisäismus und Christentum seien Feinde des Minäismus. Die Minäer seien entschiedene Gegner des Auferstehungsglaubens. Die Talmudstellen, welche מינות mit Jesus zusammenbringen, beweisen nichts. Am Ende des dritten Jahrhunderts habe man dann freilich unter Minim allgemein Judenchristeu verstanden. Die Minim der vorhergehenden Jahrhunderte jedoch seien antinomistische, philosophierende Juden, die dem Christentum vor Jesus den Weg gewiesen haben. Jesus greife in den Evangelien die Pharisäer und Schriftgelehrten mit derselben Heftigkeit an, wie der Talmud die Minim. Jesu Kampf gegen die Pharisäer sei frei von Minäismus. Jesus und seine Schule verwerfen durchaus die Thorah nicht, was die Minäer getan hätten. Wäre die Lehre Jesu mit der minäischen identisch, dann würden die Pharisäer seine Schriftauslegungen im Evang. bekämpft haben. Der Kampf gegen die häretischen Juden, gegen Minäer, habe den pharisäischen Lehrern mehr am Herzen gelegen als die christliche Lehre, die mit denen der Pharisäer nicht im Widerspruche war. Minim seien so wenig Christen wie Therapeuten; sie seien häretische jüdische Sekten. Der II. Teil (S. 235—264) behandelt das hellenistische Judentum, u. zw. 1. Denjiid. Hellenismus (S. 235—264). 2. Die Therapeuten (S. 265—288). 3. Die Sibyllinen (S. 289—314). 4. Jesus (S. 315-341). 5. Paulus (S. 342-375). Der griechischen Philosophie