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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 501

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 501 (sequence 5)
Language
German
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Besprechungen. 501 Wo aber sei bei den Hellenen Einsamkeit als Forderung zu finden? Sei doch alles bei ihnen auf staatlicher Gemeinschaft beruhend. Die Erscheinung des Pythagoraeismus zeige aber, daß es auch eine sozial organisierte Einsamkeit gebe. Aber der Platonismus sei politisch! Der Nerv des Einsamkeitsideals sei das Streben, Gott zu schauen. Sokrates und Plato finden die weihevolle Hingabe an die Erkenntnis als höchste Entfaltung des Menschen. Dieser theoretische Geist sei dem jüdischen Nationalcharakter, der auf das Praktische, Organisatorische gerichtet ist, fremd. Das sei das Hellenische im Essenertum; die Angaben Philos, Josephus und Plinius seien echt. Den Talmud interessieren die Essener nicht; sie stehen dem politischen Leben fern. In der schwachen Erinnerung der Mischnah werden sie mit »Minim«, Epikorsim und Philosophen zusammengeworfen. Das N. T. habe nichts gegen sie einzuwenden, denn aus ihnen nahestehenden Kreisen sei die urchristliche Bewegung hervorgegangen. Forderungen des Essenismus seien: Enthaltsamkeit, Vollkommenheit, Einschränkung der leiblichen Bedürfnisse, Mißachtung irdischen Besitzes, Verabscheuung des Krieges, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Ehelosigkeit. Charakteristisch seien die gemeinsamen Mahle. Es gebe geistliehe und weltliche Essener. Sie zählen nach Zehntausenden. Sie machen Propagandareisen. Pflege der göttlichen Wissenschaft bei allen Gelegenheiten, besonders bei den Mahlen und gottesdienstlichen Zusammenkünften, sei Ziel und Zweck. Private und Könige bewundern sie. Sie verwerfen den Opferkult und pflegen die allegorische Schriftauslegung. Dies alles seien hellenistische Einschläge. Der Essenismus sei das Reservoir, vermittels dessen das nicht pharisäische Judentum mit griechischen Ideen befruchtet worden sei. In Am-haarez-Kreisen besonders habe man ihren Belehrungen gelauscht. Durch die Apokalyptiker kamen die essenischen Leeren i das Christentum. Die großen Differenzen zwischen Christentum und Essenismus seien: Die Essener leugnen den Auferstehungsglauben, sie heiligen den Sabbat strenge. Gemeinsam sei beiden die Organisation, die Brüderlichkeit und Gemeinsamkeit. Die Hauptarten der Essener seien die gnostischen Sekten. Das IV. Kapitel (S. 164 — 234) behandelt den Minäis mש von dem zur Evidenz nachgewiesen werden soll, daß er nicht aus Judenchristen, sondern aus jüdischen Häretikern <5 esteh Die Minim seien Juden, die erkennen und leugnen. Die Bücher der Minim seien eine Literatur für sich. Elischa ben Abuja kannte diese Literatur. Die minäische Bewegung sei rein spekulativer Natur im Gegensätze zur ekstatisch-kindlichen Betrachtungsweise der Evangelien und Jesu gewesen. Schon zur Zeit des Tempels habe man Maß-

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