Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
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500 Besprechungen. Zeit der Ernte, die Jesus begrüßte : »Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser säet, der andere schneidet. Ich habe Euch gesandt zu schneiden, das ihr nicht habet gearbeitet; andere haben gearbeitet und Ihr seid in ihre Arbeit kommen.« Die Johanneische Bewegung sei nicht so harmlos gewesen, wie sie die moderne jüdische Geschichtsschreibung darstelle. Diese erblicke nämlich darin nicht die geringste Spitze gegen den Pharisäismus. Die Taufbewegung aber habe die Massen gewaltig ergriffen, sie sei eine Um« kehr- und Bußbewegung gewesen. Es werde vergeblich jede Spur von Gegensätzlichkeit zwischen der Taufbewegung und dem Pharisäismus vertilgt. Josephus fasste die Erscheinung richtig auf, indem er bei Besprechung der Niederlage des Tetrarchen Herodes durch den König des Peträischen Arabien sagt: »Da nun von allen Seiten die Massen ihm zuströmten — sie wurden nämlich durch seine Reden in tiefe Erregung versetzt — begann Herodes zu fürchten, die hinreißende Beredsamkeit des Mannes, welche eine solche Macht auf die Menschen ausübte, möchte leicht einen Aufruhr herbeiführen.« Die »Morgentäufer« hätten mit dieser Taufe nichts zu tun. Die Taufe sei Metanoia-Wiedergeburt, Umwandlung von Grund auf. Sie verlange: Mitwirkung der göttlichen Gnade. Johannes habe bis in die Diaspora tief gewirkt. Apollos habe unabhängig von Jesus die Taufe gepredigt; er sei lehrend durch die Welt gezogen. Daß Jesus der große Pharisäerhasser gewesen, sei auch Beweis für Johannes, dessen unmittelbarer Nachfolger er gewesen ist. Der Krebsschaden des Jahrhunderts hieß : Pharisäismus. Jesus habe in den Pharisäern die Hemmnisse erkannt, die auf Mosis Stuhl sitzen und das Himmelreich vor den Menschen verrammeln. Daher die Weherufe über die Pharisäer. Er sei in Wahrheit der Erlöser geworden. Das III. Kapitel behandelt die Essenische Bewegung. (S. 114—168.) Der Essenismus repräsentiere den edelsten jüdischen Hellenismus, der in der Weisheitsliteratur seinen Ausgang nehme. Keine andere Religionssekte Palästinas sei den heidnischen Zeitgenossen bekannt. Plinius bewundere sie. Essenismus sei kein Kind des Pharisäismus und keine Übertreibung desselben, auch kein Pythagoraeismus. Der Talmud habe keinerlei Kunde von ihm. Essenische Heiligung habe mit Ievitischer Reinheit nichts zu tun. Den Schlüssel zur Erklärung essenischen Wesens biete die Phiionische Schrift: de vita contemplativa über die Therapeuten, die den Essenern so nahe verwandt sind. Die Einsamkeit sei charakteristisches Symptom, während sie sonst jüdischem Weisen fremd sei. Zuerst Aufgehen in großen Zwecken der Gesamtheit, dann Kontemplation und Einsamkeit. Den Pharisäer locke kein Wunsch »Gott zu schauen«״