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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 495

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 495 (sequence 3)
Language
German
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Mathematik bei den Juden (1551—1840). 495 im Interesse der Kinder, wie in früheren Zeiten und noch heute in manchen Gegenden, mehr die Muttersprache zu Worte kommen zu lassen, den Seder so früh zu beginnen, daß die Kinder nicht durch Schläfrigkeit in der Teilnahme an diesem Hausgottesdienst behinder sind, u. a. verdienen volle Beachtung. Die Tatsache, daß in der Haggada für den zweiten Abend das Omer aufgeführt ist, ist ihm ein Beweis dafür, daß man mit dem Abendgebet nicht so lange gewartet habe, als es des Omerzählens wegen heute häufig zu geschehen pflegt. »Die Poesie des Wochenfestes« wird uns in einer Schilderung der Sitten und Bräuche in Synagoge, Haus und Küche vorgeführt, durch welche das Judentum es verstand, dies Fest des prangenden Frühlings trotz der Erinnerung an die Donnerstimmen des Sinai als Pfingsten, das »liebliche Fest« zu gestalten, dessen äußerer Schmuck Blumen und junge Bäumchen im Gotteshaus bildeten, das durch die Wahl des lieblichen Ruthidylls zur Festlektüre charakterisiert wird, an dem man mit Vorliebe die Kinder zum erstenmal zur »Schul« zu führen pflegte und sie in die ersten Anfänge des Hebräischlesens einweihte. Honigkuchen pflegte diesen Unterricht zu versüßen. Die Lieblingsspeisen an diesem Feste, Honig, Milch, Käsekuchen, Sinai״ kuchen und andere Leckerbissen für Klein und Groß zeigen, daß auch die Küche sich seinem Liebreiz nicht entzog. Der froriime Sinn weiß für alles dies Anlehnungen an Stellen der heiligen Schrift, deren Feier dies Fest gilt. Aus dem reichen Schatze seiner aus den verschiedensten alten Quellen geschöpften Gelehrsamkeit hat hier der Verfasser eine anmutige Schilderung des Wochenfestes im Altertum und Mittelalter entworfen, die ergreift und erhebt In ähnlicher Weise entrollt uns der Verfasser Bilder vom Hüttenfest mit seinen Hütten, seinem Feststrauß, der Sprache der Myrte und der Bachweide, feinsinnige Kleinbilder von vollendeter Kunst. Andererseits werden die erhabenen Gedanken, welche die hohen Feste voll anregen, tiefen Ernstes über das Verhältnis zwischen Gott und Menschen, über die Bedeutung der Abodah am Jom-Kippur, in ergreifenden Bildern vorgeführt. Selbst das Taschlich ist nicht vergessen. Der Fasttag des 9. Abh als nationaler Trauertag wird eingehend gewürdigt. Chanucka als Freudenfest gibt dem Verfasser Gelegenheit zu sehr interessanten Mitteilungen über die Art seiner Feier in alter Zeit. In Venedig ruderten an diesem Fest die Juden in ihren Gondeln durch ihr Viertel und begrüßten jedes illuminierte Haus mit einem Segens- Spruch und einem lustigen hebräischen Chorlied. Der Rückzug dieser ursprünglich auf den Straßen vor Türen oder Fenstern veranstalteten Illumination ins Innere der Häuser scheint wohl eine Folge der

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