Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 461 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829800-2887018--34689-2887111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Juden und die deutsche Literatur. 461 in Deutschland lebte, deutsche Verhältnisse kannte und gelegentlich beleuchtete; auch die neuerdings veröffentlichten Streitschriften zwischen Voltaire und Abraham Hirschei sind nicht zu übergehen, obgleich sie Prozessakten und nicht eigentlich literarische Dokumente sind. Der wesentliche Inhalt des Paragraphen ist die Zusammen- Stellung der Zeugnisse für die Juden in den literarischen Werken deutscher Schriftsteller, die man freilich nicht unterschiedlos als Aufklärer wird bezeichnen dürfen. Eine genaue Untersuchung der deutschen Schriften müßte manches Unbekannte an den Tag bringen. Hier sei nur genannt: Loen, der redliche Mann am Hofe, oder die Begebenheiten des Grafen von Ribera, zuerst erschienen 1740; Geliert: Leben der schwedischen Gräfin von G. (die erste sehr ausführliche Darstellung eines wackeren, edel denkenden, menschlich handelnden und ebenso behandelten Juden); Lessings Lustspiel: Die Juden; Nathan der VCfeise. Bei Lessing ist auf seine persönliche Bekanntschaft mit Juden in Hamburg, Wolfenbüttel (Daveson\ Berlin hinzuweisen. § 9. Moses Mendelssohn. Die große, von mir geplante Darstellung schließt natürlich das rein biographische aus; wie weit eine solche Ausschließung bei dem ersten, wirklich deutschen Schriftsteller jüdischen Glaubens durchzuführen ist, steht freilich dahin. Vor allem wird es Gegenstand dieses Paragraphen sein, auszuführen, worin der Unterschied zwischen Mendelssohns deutscher Schriftstellerei und den zahllosen bisher von Juden geschriebenen deutschen Elaboraten besteht. Der Freundschaft mit Lessing ist eine besondere Darstellung zu widmen. Die Ausführungen über Mendelssohn als deutschen Philosophen und deutschen Kritikers (Literaturbriefe, allgemeine deutsche Bibliothek) sind natürlich nicht zu vermeiden, aber weise zu beschränken. Wesentliche Bedeutung müßte zukommen: