Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 17)
- Language
- German
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460 Die Juden und die deutsche Literatur. gangszeit sind jedoch die Memoiren der Glückei von Hameln, geboren 1645, gestorben 1724 zu betrachten (herausgegeben von David Kaufmann, leider noch nicht übersetzt, das heißt in deutschen Typen und etwas modernisierter Schreibung zugänglich und trotz Feilchenfelds Ausführungen AZdJ. 1898 nicht genügend bearbeitet). Diese Familienaufzeichnungen durchaus nicht für Publikation bestimmt, sind zunächst deshalb so bedeutungsvoll, weil sie vielleicht das ersterhaltene Werk einer deutsch-jüdischen Frau (um nicht zu sagen Schriftstellerin) sind, sodann aber wegen ihrer Sprache und wegen ihres Inhaltes. Die Sprache (jüdisch-deutsch) mit mancherlei Anklängen an Ausländisches dokumentiert den Bildungsgrad des Durchschnitts- Publikums. Der Inhalt ist von größter Vielseitigkeit, wobei der Literarhistoriker besonders aufmerksam machen muß auf die Weite des Gesichtskreises: Hinweis auf allgemeine polititische Ereignisse, ferner auf die Notizen über ihre Lektüre, deutsche Erbauungsbücher, besonders der deutsche Brand- Spiegel und auf die Einfügung moralischer Erzählungen, wodurch ihre Tendenz zu unterhalten, neben ihrer Hauptabsicht zu belehren, klar hervortritt. § 8. Beginn der Aufklärung. In dem ersten der Aufklärung gewidmeten Paragraphen wird der Literarhistoriker geschichtliche Exkurse nicht vermeiden können. Außer dem Nachweis, daß die Aufklärungsgedanken, wie sie von England und Frankreich nach Deutschland überspringend, in theologischen und philosophischen Schriften die Frage der Judenduldung neu erörtern, ist zu zeigen, daß trotz aller beschränkenden Verfügungen, Ideen der Menschenrechte auftauchen: Friedrich der Große; Äußerungen seiner Räte: Mannitius, d’Asnieres (Mitteilung aus den Akten in meiner Geschichte der Juden in Berlin). Auf Marquis d’Argens Lettres juives ist hinzuweisen weil sie obgleich französisch geschrieben und von einem Franzosen herrührend, doch eben von einem Manne stammen, der