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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 459

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1906-01-01
Page
Seite 459 (sequence 16)
Language
German
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Die Juden und die deutsche Literatur. 459 Die Sabbäthai Zewi-Literatur in D^eutschländ und die datjfiit im Zusammenhang stehenden kabbalistischen Schriften und; meSsianischen Hoffnungen. Gerade diese für die deutsche Kultur schlimmste Zeit bildet für1 unser Thema eine Periode!; des Aufschwungs. An der Regelhaftigkeit und an den Spielereien der sogenannten ersten und zweiten Schlesischen‘ Schule haben sich freilich juddn kaum, beteiligt, Wie sie auch von den Schriftstellern jener Epoche verhältnismäßig wenig behandelt wurden. Aber die Verfolgten, Unterdrückten, in ihrer Bewegung Gehemmten verlangen stürmisch danach deutsch zu lesen und deutsch zu schreiben. In diesem Zusammenhang bilden Glückwunsch- und Spottgedichte, Einleitung und Schlußpoesien von Druckern und Ähnliches, wie sie im II. Bande meiner Geschichte der Juden in Berlin und von Freudenthal in seinem Buche: Aus der Heimat Mendelssohns (Berlin 1900) mitgeteilt sind, äußerst wichtige Kulturmomente. Hier ist aber nochmals auf die jüdischdeutsche Literatur in ihrer Entwicklung hinzuweisen: die Poesien, wie sie in den Sammlungen von Ulrich, Bodenschätz, Wagenseil u. a. mitgeteilt sind. Eine außerordentliehe Bedeutung ist beizulegen den Darstellungen von Ereignissen, die für die Geschicke der Juden bedeutungs- und verhängnisvoll geworden sind, zum Beispiel des Fettmilchschen Aufstandes in Frankfurt, eine noch größere den Dichtungen des Josel Witzenhausen. Sie mögen poetisch noch so geringwertig sein,; ihre außerordentliche culturhistorische Wichtigkeit liegt darin, daß rein deutsche Stoffe die jüdischen Anschauungen ganz fern liegen, als Lektüre für Juden bestimmt werden; ein deutliches Zeugnis wie sehr die Juden bei aller Anhänglichkeit an ihren Glauben die, geistige Nahrung des Volkes, innerhalb dessen sie wohnten, für sich begehrten. Witzenhausen verdient die ausführlichste Darstellung. Seine Bearbeitung des König Artus nach Wirnt von Gravenberg ist im Einzelnen Zu besprechen. Als das merkwürdigste Dokument dieser Über-

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