Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 448 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Die Juden und die deutsche Literatur. diesem Anhänge eine Behandlung unseres Themas zu finden, wie sie mir vorschwebte, erlebte jedoch eine grausame Enttäuschung. Schon in der Hauptschrift, in der Bartels vier Kritiker »als Wahrheitsfeind, Schimpfheld, geistreicher Raisonneur, gelehrter Kleinigkeitskrämer«, abtut, wimmelt es von Schimpfwörtern gegen Juden und Judentum. Nach seinen Ausführungen ist die ganze Kritik, Presse, Literatur verjudet. Der Satz von dem Bartels ausgeht: »da es nur eine nationale Kunst ist«, erhält durch die gesamte Kunst- und Literaturgeschichte ein schlagendes Dementi. Wer die deutsche Literatur und Kunst, um nur bei ihr zu verweilen, betrachtet, der wird geradezu sagen müssen, daß es eine ausschließlich deutsche Kunst fast niemals gegeben hat,, ja daß geradezu die glänzendste Epoche den größten Einfluß entweder des Altertums oder der ausländischen Völker deutlich auf weist. Indessen haben wir uns hier mit solchen allgemeinen Sätzen, die natürlich eine weit breitere Behandlung 'erfordem als ihnen eben zuteil geworden, nicht zu beschäftigen. Von dem Thema, das er behandeln will, hat er nicht die geringste Ahnung. Aus vergangenen Zeiten kennt er nur oder gibt nur an: Trimberg, Johannes Pauli (der gar kein Jude war), Pfefferkorn, Mendelssohn. Dann aber geht bei ihm sofort das Presse- und Literaturjudentum an. Von jüdischen Ideen, von dem Einfluß ihres Geistes, von der Behandlung ihrer Literatur ist gar keine Rede. Es kommt ihm nur darauf an, möglichst viele Schriftsteller zu Juden zu stempeln, natürlich solche, die ihm unangenehm sind, darunter gut christliche Schriftsteller, die überhaupt nichts, oder wenig mit Judentum zu tun haben, wie Paul Lindau u. a. Solche Schimpfereien im einzelnen zu bekämpfen, kecke, unbegründete Angriffe zu widerlegen, habe ich weder Lust noch Zeit. Ein Pröbchen möge für die Art des Bartelsschen Verfahrens genügen. Von allen spezifisch christlich gesinnten Schriftstellern waren bisher die Geschwister