Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829800-2887018--34675-2887097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Juden und die deutsche Literatur. 447 Sudermannscher Schriften teils schon gehabt hat, teils gewiß noch haben wird. Ich bin am allerwenigsten geneigt und geeignet, die Apologie dieses kläglichen Machwerkes, dieser kleinlichen Verhöhnung einer großen Zeit — denn das war ja doch das Jahr 1848 — zu liefern; für unseren Zweck ist das Werk nur symptomatisch dadurch, daß hier unter Persönlichkeiten der Kleinstadt, sowohl unter den älteren, neben dem Arzt, dem Freiherrn, dem Oberlehrer, dem Steuerinspektor und dem Kaufmann, als den jüngeren, einem jüngeren Arzt und einem Korpsburschen, auch je ein Jude vorkommt; der Rabbiner und dessen Sohn, zwei Persönlichkeiten, die man doch gewiß als Juden in der deutschen Dichtung bezeichnen muß. Aber keineswegs als d i e Juden. Denn hier handelt es sich auf der einen Seite nur um einen Humanitätsapostel, um einen sogenannten freisinnigen, menschlich gesinnten Geistlichen, der es mit den äußerlichen Geboten seiner Religion merkwürdig leicht nimmt, der den Menschen in sich wahren will, wenn er auch dem Juden nicht zur Liebe verhelfen kann; auf der anderen Seite um einen Jüngling, der wegen einiger Kränkungen, die er im gesellschaftlichen Leben erfahren hat, insbesondere wegen der für ihn betrüblichen Tatsache, daß er nicht Korpsstudent geworden und nicht höflich genug behandelt worden ist, sich als Feind der ganzen Gesellschaff erklärt: »Ihr wollt uns zu Feinden, Ihr sollt uns zu Feinden haben«. Die vierte ist die Schrift eines sehr streitbaren Herrn, der schon einigemale gegen eine ihm unangenehme Kritik eine Brochüre geschrieben hat. Herr Adolf Bartels nämlich, der Verfasser einer viel gelesenen, von einigen gerühmten, aber von urteilsfähigen Gelehrten aller Konfessionen als einseitig verurteilten deutschen Literaturgeschichte ließ gegen einzelne dieser Kritiker eine Schrift ausgehen: »Kritiker und Kritikaster, mit einem Anhänge: das Judentum in der deutschen Literatur« (Leipzig 1903). Ich hoffte wirklich in